Dienstag, 6. Oktober 2015

Rezension: "Die Schwarzen Musketiere - Das Buch der Nacht" - Oliver Pötzsch

entnommen bei weltbild.de



Titel: Die Schwarzen Musketiere – Das Buch der Nacht
Autor: Oliver Pötzsch
Genre: historische Phantastik, Jugendbuch
Verlag: Bloomoon
Seiten: 320
Preis: 14,99€ (HC) / 12,99€ (eB)


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Die Beschreibung:
Fechten, Reiten, auf die Jagd gehen – das Leben des jugendlichen Grafensohns Lukas ist wie ein großes Abenteuer. Doch von einem Tag auf den anderen ist nichts mehr, wie es war: Der Inquisitor Waldemar von Schönborn lässt Lukas‘ Mutter verhaften, um sie als Hexe zu verhören – und Lukas‘ Vater stirbt beim Versuch, sie zu befreien. Lukas selbst flüchtet, doch seine kleine Schwester Elsa gerät in die Gewalt des Inquisitors. Mittellos und auf sich allein gestellt ist Lukas nur von einem Gedanken getrieben: Er muss Schönborn finden und Elsa befreien! Doch der Inquisitor ist mächtig und sein Einfluss reicht weiter, als Lukas sich das vorzustellen vermag. Gegen einen derart übermächtigen Gegner hätte Lukas keine Chance – doch zum Glück hat er ein großes Talent: Er ist ein begnadeter Degenkämpfer. Und er findet echte Freunde; mit Jerome, Paulus und dem schlauen Giovanni an seiner Seite wagt er sich in das größte Abenteuer seines Lebens …
Die Rezension:
Vielen Dank an den Bloomoon Verlag, dass ich bei der Leserunde dabei sein durfte!

Leider habe ich mich mit dem Buch recht schwergetan. Der Einstieg mit dem Prolog verrät uns, dass es ein Objekt, vermutlich das im Titel angesprochene Buch gibt, dass von Nonnen versteckt wird. Doch das Versteck ist nicht länger sicher, da jemand es unbedingt in seinen Besitz bringen will. 
Kurz darauf begegnen wir Lukas, einem 12-Jährigen, der an einem schicksalshaften Tag seine Familie verliert. Sein Vater wird vor seinen Augen erschossen, die Mutter als Hexe angeklagt und die Schwester entführt. Sein eigenes Leben steht auf dem Spiel, doch er kann glücklicherweise entkommen und will alles dafür tun, seine Mutter und seine Schwester zu retten. 

Das klingt zunächst nach einem sehr spannenden Einstieg. Tragisch, düster aber eben auch sehr spannend. Nur fand ich es leider nicht ganz so gut. Der Autor sagt selbst, dass er mehr wert auf die Handlung als auf die Gefühle gelegt hat – etwas, das ich nur zu gut verstehen kann, da ich beim Schreiben die gleiche Haltung vertrete. Allerdings war es für mich unverständlich, wie der Junge einfach so zusehen konnte, wie sein Vater von Armbrustbolzen durchbohrt wurde. Er zuckt nicht einmal mit der Wimper, der Schock tritt erst einige Zeit später ein, aber Lukas fasst sich immer ziemlich schnell. 

Und mit immer meine ich wirklich jedes Mal, wenn jemand stirbt, was recht oft der Fall ist. Dadurch kommt man nicht wirklich gut an den Jungen heran. Ich habe auch gemerkt, dass ich irgendwann nicht mehr mit ihm leiden konnte, da er es selbst nur in geringem Umfang tut. Man stumpft durch (oder mit) der Figur ab und nimmt die Tode z.B. als gegeben hin. 

Das fand ich zum einen aber nicht allzu tragisch. Das Buch spielt im Dreißigjährigen Krieg und stellt die damalige Situation wirklich schonungslos zur Schau. Es wurde nicht darauf Rücksicht genommen, irgendetwas für die jungen Leser schön zu reden – das gefiel mir tatsächlich. Es war eben keine schöne, ruhige Welt, sondern ein düsteres Zeitalter. 

Dass sich der Autor zu seiner Darstellung entschlossen hat, mag bei einigen aufstoßen. Immerhin ist es ja ein Jugendbuch. Aber da sollten lieber die Eltern aufpassen, was ihre Kinder lesen und wie sie damit zurechtkommen, statt den Autor zu verteufeln. 

Dennoch bin ich nicht mit allem Einverstanden. Die vielen Tode haben mich tatsächlich etwas gestört, einfach weil es so distanziert wirkte. Insgesamt bauen die Charaktere nicht allzu viel Nähe auf, was nicht heißt, dass sie nicht gut umrissen sind. Trotzdem habe ich mich nicht wirklich mit ihnen verbunden gefühlt. 

Ein Faktor, der mich am meisten gestört hat, war die Zeit. Lukas will seine Schwestern unbedingt retten, hat aber keine Ahnung wo sie ist. Das ist ein schlechter Start für eine Suche und man kann verstehen, dass er ziemlich hilflos ist. Dennoch verstreicht einfach immer wieder immens viel Zeit, in der gar nichts passiert. Auch gibt es diverse Episoden, die ich einfach sinnlos fand und meiner Meinung nach hätten gestrichen werden können. 
Es wird sich einfach nicht konsequenter um die Schwester gekümmert. Ab und an taucht sie mal wieder in seinen Gedanken auf, mehr tut sich aber nicht! Das konnte ich nicht wirklich nachvollziehen. Dadurch hatte ich das Gefühl, als warte er darauf, dass ihm ein Hinweis vor die Füße fällt – so war es dann auch ungefähr. 
Es hat mich einfach nur frustriert. Die Abenteuer von Lukas waren nicht unspannend, dennoch hatte ich die ganze Zeit die Schwester im Hinterkopf. Irgendwann habe ich dann auch gedacht, dass sie sich bedanken wird, wenn ihr Bruder nach Jahren (!) zu ihr kommt. Ich hätte gelacht, wenn sie sich in der Zeit selbst befreit hätte. 

Der Stil hat mir schon gut gefallen. Es geht recht flott voran, alles wird ziemlich gut aber nicht zu ausschweifend beschrieben und ich habe mich, bis auf die bereits erwähnten Sachen, gut einfinden können. Die Abenteuer waren echt spannend und wenn mich die Zeit nicht so genervt hätte, hätte ich durchaus mehr mitfiebern können. 

Spoiler!
Gegen Ende hin bot das Buch auch noch einige Überraschungen, die ich zum Teil erahnt hatte, die aber gut eingewoben waren. Leider hat mir das eigentliche Ende dann nicht mehr so gut gefallen. Es gibt viel Action und eine große Kampfszene und dann ist es plötzlich vorbei. Einfach so, weil Lucas und seine Freunde an einem anderen Ort auftauchen. Da hatte ich dann auch das Gefühl, dass Wallenstein egal war. Er war keine unmittelbare Bedrohung mehr und die Burg aufzubauen hatte jetzt Priorität. Nein, wirklich, da war ich ziemlich enttäuscht von.

Die Charaktere waren, wie schon beschrieben, gut gezeichnet. Allerdings mochte ich Lucas' Freunde mehr als ihn. Sie waren mir einfach allesamt sympathischer, vermutlich habe ich von ihm auch etwas mehr erwartet. 
Gut fand ich aber auch, dass sie sich nicht sofort alle super mochten, sondern eben erst noch Freundschaft schließen mussten. Das wirkte realistischer als bei anderen Büchern. 
Besonders ans Herz gewachsen ist mit ja Giovanni. Er ist ziemlich clever und hat meist den richtigen Riecher. Aber auch Jerome und Paulus sind ganz lustig und mir gefiel, wie gut die Vier miteinander harmonierten. 

Fazit:
Wer Abenteuer und Action mag, dabei auf eine starke Gefühlswelt verzichten kann, ist hier an genau der richtigen Stelle. Es geht schnell voran, es passiert sehr viel und man merkt, dass sich der Autor in seinem Metier und der Epoche auskennt. 
Für mich gab es leider zu viele Kleinigkeiten, die mich gestört haben und meine Lust am Buch ließ immer mehr nach. 

Aus diesem Grund gibt es nur 3 von 5 Herzen.

eure Maria

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