Freitag, 19. Juni 2015

Wieso fallen Charaktere eigentlich in Ohnmacht?

Hey ihr Lieben, 
ist euch auch schon aufgefallen, dass einige Charaktere gern mal in Ohnmacht fallen? Bevorzugt auch kurz vor oder mitten im Finale? Nein? Sicher nicht?
Mir fällt das jedes Mal auf, wenn es in einem Buch vorkommt, was nicht heißt, dass es ständig und in jedem Buch der Fall ist. Aber es taucht auf und meist ist es nicht ganz so sinnvoll, wie der Autor vielleicht hofft. 

Ohnmachten passieren aus vielerlei Gründen und passen meist auch in die Situation. Aber ist das eigentlich sinnvoll? 
Oft wird eine Ohnmacht zum Beispiel genutzt, wenn der Autor nicht mehr weiter weiß oder einen Cut braucht. Stimmt nicht immer, aber ich hatte oft das Gefühl, dass das der Fall war. Habe die Ohnmacht auch selbst an einer Stelle in einem meiner Bücher genutzt, weil ich nicht genau wusste, wie ich von dem Punkt weitergehen sollte. Klar soll man nicht von sich auf andere schließen, aber achtet mal drauf. 
In einem neueren Buch war das letztens der Fall. Die Protagonistin wurde von einer dunklen Macht übernommen, aber statt zu beschreiben, was genau passiert oder wie es sich auswirken könnte, wurde die Protagonistin ohnmächtig. Man hätte ja auch schon zeigen können, was diese Macht dann anstellt oder ob die Protagonistin sich doch wehren kann. Aber nein, man wurde als Leser ausgebremst.

An solchen Stellen geht auch oft das Potential bzw. die Spannung verloren. Durch die Ohnmacht passiert ja erst mal nichts weiter, was frustrierend sein kann. Vor allem, wenn dann noch leichter Gedächtnisverlust der Figur hinzukommt, sodass es etwas dauert, bis es wieder weitergeht.
Ohnmacht im Finale. Wieso? Ähnlich wie beim ersten Fall: Der Autor sucht einen Ausweg. Er will das, was geschehen wird, nicht beschreiben. Meist kommt dann ein Cut und entweder erzählt eine andere Figur was passiert (ist) oder der Charakter erzählt es zu einem "späteren" Zeitpunkt. Soll heißen: Die Handlung setzt eine Weile danach ein, vorzugsweise eine Woche später, und der Charakter gibt eine Zusammenfassung. 

So etwas ist schwachsinnig. Da wird Spannung aufgebaut, das Finale gepusht, der Konflikt an seine Spitze getrieben und dann passiert: einfach nichts. 
Darüber kann ich mich auch immer wieder gut aufregen. Um mal ein Beispiel zu nennen: In einem Band der Ocean Rose-Trilogie ist genau das passiert. Die Protagonistin steht einer krassen Übermacht gegenüber. Und als Ausweg wurde die Figur dann ohnmächtig. Das nächste Kapitel spielte dann zwei Wochen später und sie erzählte kurz, wie sie das eigentlich überlebt hat. Wäre es nicht viel cooler gewesen, als Leser dabei zu sein? Ich denke schon.
Fies ist dabei auch, dass es meist total nachvollziehbar auf den Leser wirkt, wieso die Figur jetzt umkippt. Wenn man aber drüber nachdenkt, merkt man, dass die Ohnmacht auch nicht notwendig war (es sei denn man hat einen labilen Charakter). Von außen betrachtet ergibt es meist keinen Sinn, da mögen die Erklärungen noch so plausibel sein. 

Mit meinem Beitrag will ich auch nicht behaupten, dass es immer der leichteste Ausweg ist, den der Autor wählt. Aber ich erkenne da eine gewisse Faulheit oder vielleicht auch Angst um die Figur, dass man sie nicht leiden lassen oder beschützen will. Aber das kann man auch anders schreiben und muss nicht auf eine Ohnmacht zurückkommen. 

Geht es euch auch manchmal so, dass ihr frustriert seid, wenn es gerade im Finale passiert? Oder ist euch das bisher nicht aufgefallen?

Liebe Grüße
eure Maria


Kommentare:

  1. Hallo, :)
    so genau habe ich bisher nicht über das Thema nachgedacht, aber es stimmt schon, dass die Personen oft in Ohnmacht fallen, was für den Leser schon unbefriedigend sein kann. Insbesondere wenn es im Finale passiert.
    Was ich dann nicht verstehe: Wenn der Autor im Rückblick erzählt, was passiert ist, dann kann er das doch auch gleich machen oder? Da braucht doch keine Ohnmacht auftauchen.
    Also ich glaube in nächster Zeit werde ich mehr darauf achten und dann wird es mir wohl auch vermehrt auffallen, wie unsinnig das eigentlich ist. Toll. :D Auf jeden Fall ein interessantes Thema. :)

    Liebe Grüße,
    Marina

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    1. Hi,

      es kommt natürlich auf die Umstände und das Genre an. Wenn da einer angeschossen wird und durch Blutverlust ohnmächtig ist - guter Grund, gehe ich mit! Aber einfach so? Eher unwahrscheinlich.
      Ich weiß nicht. In einem Rückblick kannst du viel zusammen fassen: "Da kam XY und hat die alle mit einem Feuerstoß platt gemacht und mich rausgeholt." So muss man nicht den ganzen Vorgang beschreiben und kann auch noch ein paar Lücken lassen. Wenn man das Finale ausführlich schreibt, sollte schon mehr passieren, als nur ein Feuerball, da muss auch ein Kampf kommen oder irgendwas. Einige Autoren trauen sich das vielleicht nicht zu, oder wollen das auch nicht schreiben? Wer weiß. Ich würde mir dann eher überlegen, wie ich die Situation anders umgehen kann, sodass der Leser trotzdem noch ein spannendes Finale liest. Und wenn man sich irgendwo verrannt hat, ists ja auch leicht etwas zu löschen und neu anzusetzen. Es findet sich eigentlich immer ein anderer Weg. Oder man stürzt sich rein und lässt es zu ;)

      Liebe Grüße
      Maria

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