Mittwoch, 24. Juni 2015

Serienkommentar: "Marvel’s Agent Carter - Staffel 1"



Titel: Marvel’s Agent Carter

Genre: Action
Darsteller: Hayley Atwell (Peggy Carter), James D'Arcy (Edwin Jarvis), Chad Michael Murry (Jack Thompson), Enver Gjokaj (Danial Sousa), Shea Whigham (Roger Dooley), Dominic Cooper (Howard Stark)
Umfang: 8x 45 Minuten

Da ich der Meinung war, dass Peggy Carter mit das beste am ersten Captain America-Film war, musste ich mir die Serie unbedingt anschauen. Und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht!

Wieder sind Spoiler zur ersten Folge enthalten und leichte Hints was später passiert.


Die Handlung... 
... beginnt recht klassisch. Peggy macht sich für die Arbeit fertig. Die SSR (Strategic Scientific Reserve) hat ihr Quartier über einer Telefongesellschaft, sodass es zumindest nach außen den Anschein hat, als wäre alles normal. Doch Peggy ist immer noch ein Agent, auch wenn sie niemand bei der SSR ernst nimmt. Statt sie an Ermittlungen zu beteiligen, darf sie Akten sortieren und das Telefon bewachen. Damit kann sie sich nur schwer abfinden. Ihr Alltag sieht definitiv nicht so aus, wie sie es sich gewünscht oder nach dem Krieg erwartet hatte. Sie muss sich nun beweisen, doch das ist schwer, wenn sie immer übersehen wird. 

Mit dem Auftauchen von Howard Stark ändert sich alles. Die SSR fahndet nach ihm, da gefährliche Waffen auf dem Schwarzmarkt verkauft werden und natürlich davon ausgegangen wird, dass er selbst die Fäden in der Hand hat und prompt noch für Hochverrat angeklagt wird. Peggy soll nun für ihn ermitteln und herausfinden, wo die Waffen sind, allen voran das gefährliche Nitramin, das zum Glück nur als Formel existiert und noch nicht waffenfähig gemacht wurde. Oder doch? 

Peggy muss nun neben der SSR ermitteln und begeht dabei selbst Verrat. Howard ist wieder untergetaucht und ihr seinen Butler Edwin Jarvis zur Seite gestellt. Ein Mann, der keine Ahnung von Spionage-Arbeit hat und ein sehr durchgeplantes Leben führt, was einschließt, dass Mann abends bei der Frau zu Hause bleibt. Doch Peggy nimmt, was sie kriegen kann und gemeinsam versuchen sie Howards Namen reinzuwaschen. 

Bei der Serie hatte ich zuerst das Gefühl, nicht zu wissen, wo es hingehen soll. Allen voran sollen die Erfindungen von Howard gefunden werden, doch bald baut sich ein immer größerer Plot auf. Die Folgen hängen alle zusammen, bauen aufeinander auf und sind miteinander verstrickt. Gerade, wenn man sie in einem kürzeren Zeitraum hintereinander schaut, wird einem auffallen, wie stark alles zusammenhängt. 
Das fand ich ziemlich cool, da ich bisher nur wenige Serien gesehen habe, bei denen das der Fall ist. Meist gibt es ein paar lose Einstiegsfolgen, bis es immer mehr zusammenhängt. Bei Marvel's Agent Carter ist das nicht der Fall. Alles folgt einem größeren Plot, auch wenn das nicht gleich erkennbar ist. 

Das Setting fand ich auch sehr gut und konsequent umgesetzt. (Darin begründet sich auch die Wahl des Posters oben.) 
Wir schreiben das Jahr nach Ende des zweiten Weltkrieges und alles normalisiert sich wieder. Was auch bedeutet, dass einiges anders gehandhabt wurde, als jetzt. Was den Frauen nicht wirklich zugute kommt. Man merkt sehr deutlich, dass die Männer Peggy loswerden wollen, einfach weil sie eine Frau ist und ihrer Meinung nach nichts in so einem Job zu suchen hat. Das Geschlechterbild unterscheidet sich doch sehr von unserer derzeitigen Vorstellung. Die ganzen Sticheleien in der Hinsicht fand ich gut, da es nun mal der Zeit entspricht. 
Auch die Kleidung passt in das Setting. Was mich zumindest bei den etwas zu hoch sitzenden Hosen der Männer zum Schmunzeln gebracht hat. Es sieht leicht absurd aus, aber nach einer Folge fällt einem das kaum mehr auf. 
Ansonsten scheint alles in die 40er zu passen: von den Autos, der Musik über die Tapete und die Preise wirkt alles sehr ansprechend, sodass man schnell ein Feeling für die Zeit bekommt. Auch die kleine Radio-Show zu Captain America fand ich genial. Die Ausschnitte sollte man sich auch nochmal auf Englisch anhören, das klingt einfach so passend/ klischeehaft!

Die Charaktere...
... fand ich wirklich toll, auch wenn ich einige gern ab und an geschlagen hätte. 
Peggy Carter ist eine tolle Figur, was schon bei Captain America klar war. Sie ist taff, direkt und stur. Sie lässt sich nicht leicht unterkriegen und will nicht, dass die Männer sie wie ein kleines nutzloses Weibchen behandeln. Man könnte auch sagen, dass sie mehr Eier hat, als ihre Kollegen. 
Als Howard sie um Hilfe bittet, muss sie nicht lange überlegen; endlich hat sie wieder eine sinnvolle Aufgabe. In der Serie konnte sie ihr Potential entfalten und mit einigen Gadgets oder Waffen herumspielen. Hayley Atwell ist dabei so überzeugend, dass ich ihr die Agentin sofort abkaufe. 
Edwin Jarvis ist eindeutig mein Lieblingscharakter. Er ist so bieder und anständig, dass man sich regelmäßig an den Kopf fassen möchte. Er muss seine gewohnte Routine für Peggy über Bord werfen, was ihm gar nicht gefällt. Er wirkt gleichzeitig kompetent als Butler, aber irgendwie trottelig im Leben. Ich kann das gar nicht richtig beschreiben. In jedem Fall war es immer wieder witzig, ihn zu sehen und zu hören. 

An der Stelle mal ein großes Lob an die deutsche Synchronisation. Ich hatte so gehofft, dass die Originalstimme von Jarvis gewählt wurde, wie sie auch in den Iron Man- und Avengers-Filmen vorkommt. Und sie haben tatsächlich Frank Schaff organisiert. Das macht mein kleines Nerdherz glücklich. 
Aber auch sonst konnte mich die Synchronisation überzeugen. Die Stimmen passen zum Original und die Übersetzung ist auch gut, soweit ich das beurteilen kann. Die Staffel werde ich mir sicher noch einmal komplett auf Deutsch ansehen. 

Zu den restlichen Figuren: Die SSR-Agents fand ich insgesamt ziemlich gut, auch wenn mir Thompson ziemlich auf die Nerven ging. Peggy stellt für ihn und Chief Dooley nur ein weiteres Übel dar, das sie gern beseitigen wollen. Sie vertrauen ihr nicht, es sei denn, es geht um die Bestellung des Mittagessens. Thompson verkörpert für mich so einen typischen Macho. Er mag einiges auf dem Kasten und vielleicht etwas geleistet haben, aber wirklich überlegen ist er den anderen nicht. 
Sousa steht hinter Peggy und versucht ihr den Rücken zu stärken, was sie definitiv nicht will. So muss er einige Zurückweisungen einstecken und hat es auch in der SSR nicht leicht, sich zu beweisen. Er kam mit einem lahmen Bein aus dem Krieg zurück, sodass er auch in anderen Belangen als langsam angesehen wird. Er muss sich den Respekt der anderen erst noch verdienen, darf aber - im Gegensatz zu Peggy - vorn mitmischen. 
Der Chief hat genau wie alle anderen keine Lust auf eine Frau in seinem Team. Trotz ihrer herausragenden Leistungen ist und bleibt sie, wer sie ist. Der Konflikt zieht sich somit durch alle Ebenen. Er versteht auch nicht, was sie bei der SSR will, akzeptiert dann aber später, dass sie doch einiges auf dem Kasten hat. Als Chief fand ich ihn ansonsten aber ganz okay. Er erkennt, wann was getan werden muss, auch wenn er nicht immer das Potential seiner Leute sieht. 

Die Serie bietet Action, gute Verstrickungen, nette Kämpfe, Emotionen und Humor, aber nur wenige Anspielungen zu anderen Filmen oder Serien, was aber bei der zeitlichen Einordnung auch schwierig ist. Meinem inneren Weichei war es auch nicht zu brutal oder blutig, was für mich nach Marvel’s Daredevil (Review hier) definitiv ein Plus ist. Die Effekte fand ich ziemlich gut, die konnten locker mit aktuellen Filmen oder anderen teureren Serien mithalten. 

Fazit:
Definitiv eine meiner Lieblingsserien!
Wer gern mal eine Frau in der Hauptrolle einer Agentenserie sehen will, ist hier gut bedient. Man muss sich vielleicht etwas einfinden, da es keine wirkliche Helden-Serie ist. Peggy ist "nur" eine Agentin, die ermitteln muss. Mich konnte die Serie aber direkt überzeugen, vor allem, weil die Folgen so gut aufeinander aufbauen und man nicht das Gefühl hat, dass irgendeine sinnlos war. 
Ich bin sehr glücklich, dass es eine zweite Staffel geben wird und freue mich riesig darauf!

Viel Spaß beim Schauen!
eure Maria

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