Freitag, 19. Dezember 2014

Rezension: "Dark Canopy" - Jennifer Benkau

entnommen bei buecher.de






Titel: Dark Canopy
Autor: Jennifer Benkau
Genre: Dystopie
Verlag: Script 5
Seiten: 528
Band: 1 von 2
Preis: 18,95€ (HC) / 14,99€ (eB)

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Die Beschreibung:
Die Percents, für den dritten Weltkrieg geschaffene Soldaten, haben die Weltherrschaft übernommen und unterjochen die Menschen. Rebellenclans versuchen, außerhalb des Systems zu überleben. Mit ihnen kämpft die 20-jährige Joy gegen das Gewaltregime. Doch dann fällt sie dem Feind in die Hände und muss feststellen, dass sich auch unter den vermeintlichen Monstern Menschlichkeit findet. Und sogar noch mehr …
Die Rezension:
Um das Buch bin ich seit einer Weile herumgeschlichen und war mir unsicher, ob es was für mich ist. Dank »Blogger und Leseratten lesen gemeinsam« habe ich mich dann dazu durchgerungen, bei der Leserunde mitzumachen. Zu der Zeit gab es das eBook auch für schlappe 1,99€. Im Nachhinein hätte ich auch nicht viel mehr zahlen wollen. 

Es beginnt im Wald. Die junge Joy ist allein unterwegs und begegnet einem Percent. Durch Glück gelingt ihr die Flucht und auch ihr Rebellenclan bleibt in Sicherheit. Sie ist stolz auf ihren Clan und ihren Status als Rebellin. Ein paar Jahre später langweilt sie sich nur noch. Ihr Clan hat nichts erreicht, außer zu überleben. Es hat sich nichts verändert und Joy spielt mit dem Gedanken, wegzulaufen. 
Bei dem Verkauf von Fellen in der Stadt stolpern sie in eine Falle und Amber wird gefangen genommen. Joy schafft es zurück zum Clan und beschließt, Amber zu retten. Doch die Aktion geht gehörig schief und sie wird prompt zum Soldaten für das Chivvy ernannt. Ein Rennen, bei dem die Menschen von den Percents gejagt und getötet werden. Nun muss Joy daran teilnehmen und ihre Chancen zu überleben stehen ziemlich schlecht. 

Der Einstieg hat mich verwirrt. Es wird aus der Ich-Perspektive beschrieben, weshalb am Anfang nicht ersichtlich ist, dass ein Mädchen erzählt. Erst im Clan wird sie mit Namen angesprochen. Ich dachte zuerst, es handelt sich bei dem Erzähler um einen Jungen. Zudem wirkt Joy sehr distanziert und der Leser hat keine Ahnung, was Percents sind, außer dass es sich dabei um die Bösen handeln muss. So steht man mitten drin, ohne sich gut orientieren zu können. Solche spontanen Einstiege finde ich nicht schlecht, aber gerade durch Joys Art hat es mich eher ein bisschen abgeschreckt. 

Die Charaktere sind etwas anstrengend und schwer zu greifen. Wirklich anfreunden konnte ich mich nur mit Neél. 
Joy ist nicht so, wie ihr Name. Sie ist grob und stößt andere fast immer vor den Kopf. Ich hatte Probleme mit ihr warm zu werden, gerade weil sie keinerlei Wärme ausströmt. Obwohl Amber gefangen genommen wird, hatte ich nicht das Gefühl, ihr die Sorge abnehmen zu können. Sie hat ein Herz aus Stein und ist obendrein noch extrem zickig und stur. Im Verlauf des Buches ändert sie sich kaum und bleibt unsympathisch. Joy sieht die Welt sehr schwarz-weiß, so wie fast jeder, doch dann muss sie feststellen, dass nicht alle Percents gleich sind und nicht alle das System gutheißen. Ihre Distanziertheit und die ganze Art tragen nicht dazu bei, dass man das Buch weiterlesen möchte. 
Das liegt an Neél. Stück für Stück erfährt man mehr über ihn als Percent, seine Auffassungen und Gedanken. Das hat mir ganz gut gefallen. Am Anfang wirkt er sehr abweisend und zielorientiert. Er muss Joy trainieren und schätzt ihre Chancen eher gering ein. Seine Position unter den Percents hängt davon ab, wann Joy im Rennen geschnappt wird. Er trietzt sie ganz schön, lernt aber auch ein paar Dinge von ihr. 

Ich würde ja fast sagen, dass die beiden sich gut ergänzen. Sie können sich ein bisschen mit ihrem Wissen aushelfen, sind beide etwas bissig in ihrem Humor, aber Neél ist eindeutig der Sympathieträger. Er ist einfach nett und sieht mehr in Joy, als der Leser. Die sich entwickelnde Romanze wurde aber dennoch gut umgesetzt. Es geht nicht von heute auf morgen, sondern passiert eher langsam. So drängt es sich dem Leser nicht so stark auf. 

Der Stil ließt sich gut und schnell, ist aber trotzdem eher langweilig. Neben dem Training und der Romanze passiert nichts. Also zumindest fast nichts. Das Buch hätte gut gekürzt werden können. Auch die Schwenks zu Matthial, einem Jungen aus Joys Clan, der in sie verliebt ist, hätte man komplett streichen können. Wirklich etwas beitragen tun die Kapitel mit ihm nicht, außer mich als Leser zu nerven. Matthial mochte ich gar nicht und seine Probleme mit dem Clan haben mich auch null interessiert. 
Insgesamt hätte das Tempo angezogen werden müssen. Ich habe nur selten mit Begeisterung gelesen, sondern weil ich das Buch beenden wollte. Mit Neél war es teils noch am interessantesten, einfach weil man mehr über die Percents erfährt, ansonsten zog es sich eher in die Länge. 

Die Idee hat mir wirklich gut gefallen, nur die Umsetzung war nicht die Beste. Es dauert wirklich lange, bis man genau weiß, was ein Percent ist. Da ich auch den Klappentext nicht gelesen habe, musste ich mir das mit den gezüchteten Soldaten erst zusammenreimen. Der Aufbau und die unterschiedlichen Ansichten zwischen Menschen und Percents sind echt interessant, aber auch Informationen dazu erreichen den Leser erst recht spät. Ich blieb die meiste Zeit am Buch, weil ich mehr wissen wollte, aber manchmal war es echt frustrierend, dass nur so dürftige Informationen eingestreut wurden. 
Enttäuscht haben mich vor allem die Rebellen. Offensichtlich gibt es verschiedene Clans, die sich weigern, in die Stadt zu ziehen. Wirklich etwas ausrichten, tun die aber nichts. Sie sind einfach da, nehmen Flüchtlinge auf und das wars. Was ist das denn für ein Widerstand? Wieso wurde der von der Autorin überhaupt eingeführt, wenn er so unwichtig ist? 

Das Ende war einfach bescheuert. Also kurz vor Schluss war klar, dass soetwas passieren würde. Das Finale bildet ja quasi das Chivvy, wobei es mir fast zu lange gedauert hat, bis sie endlich losgerannt sind. Danach wird es dann sogar spannend. Nach so vielen Seiten, will man dann doch wissen, wie es ausgeht. Der richtige Abschluss war dann aber hochgradig bescheuert. Ich meine, prinzipiell habe ich nichts gegen solche Enden, das war dann aber echt sinnlos und auch ein wenig wirr. Joy habe ich überhaupt nicht mehr verstanden und ich glaube nicht, dass das allein an ihrer Hilflosigkeit lag. 
Zwischendrin wurden noch ein paar Geheimnisse gelüftet, die mich allerdings in keiner weise bewegt haben. Es bleiben viele Fragen offen, vor allem eine entscheidende, sodass man eigentlich weiterlesen müsste, wenn man nicht froh wäre, das Buch endlich hinter sich zu haben. 

Fazit: 
Ein eher mittelmäßiges Buch mit einigen Höhen und vielen Längen. Die Lovestory ist okay und das Buch fast völlig darauf ausgelegt. Ich hätte mich über mehr Infos und Bewegung von Seiten der Rebellen gefreut. Diese vertreten eher die Haltung, dass sie sowieso nichts ändern können und erreichen logischerweise auch nichts. Band zwei werde ich nicht kaufen. 

Wer also auf eine gute Dystopie hofft, wird eher enttäuscht werden. Für Fans von Lovestorys könnte es etwas sein. 

Von mir gibt es nur 2,5 von 5 Herzen.

eure Maria


Kommentare:

  1. Hallo Maria,

    hach ist das schade! Dieses Buch gehört zu meinen absoluten Lieblingen. Ich fand sowohl Idee als auch Umsetzung wirklich gut =). Ich finde schon, dass der dystopische Aspekt gut raus kommt, auch wenn der Fokus auf den Beziehungen zwischen den beiden unterschiedlichen Seiten Menschen und Percents liegt, da gebe ich dir schon recht. So kanns eben gehen ...

    LG
    Anja

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    1. Hi Anja,

      ja, am Anfang gings noch, aber dann wurde es zunehmend langweilig ^^" Ich weiß auch nicht. Ich hab auf mehr gehofft. Kommt vielleicht auf die Erwartungen drauf an und wann man es liest. Wenn man viele Dystopien vorher gelesen hat, erwartet man wohl mehr Rebellion. Das war etwas schade. Und das Ende... *Kopfschüttel*

      LG
      Maria

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