Montag, 27. Oktober 2014

Rezension: "Die Auslese - Nur die Besten überleben" - Joelle Charbonneau

entnommen bei randomhouse.de





Titel: Die Auslese – Nur die Besten überleben 
Autor: Joelle Charbonneau 
Genre: Dystopie 
Verlag: blanvalet 
Seiten:416 
Preis: 9,99€ (tb) / 8,99€ (eB) 

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Die Beschreibung: 
Cia Vale ist stolz, eine der wenigen Kandidatinnen für die alljährliche »Auslese« zu sein, bei der die zukünftigen Führer des Commonwealth ermittelt werden. Doch am Vorabend ihrer Abreise bekommt sie von ihrem Vater einen beunruhigenden Rat: Vertraue niemandem! Gilt diese Warnung auch für ihren Kindheitsfreund Tomas, der verspricht, Cia immer beizustehen? Tomas, der mit jedem weiteren Todesopfer, das die gnadenlose Auslese fordert, mehr um sie besorgt zu sein scheint? Wenn Cia überleben will, muss sie sich entscheiden: für ein Leben ohne Vertrauen oder für eine Liebe, die sie das Leben kosten kann … 
Die Rezension: 
Vielen Dank an blanvalet für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars! 
Das Buch stand schon länger auf meiner Vielleicht-Liste und ich wollte es jetzt doch wissen. Allerdings... wird es nicht mein Lieblingsbuch. 

Es beginnt mit einer Zeremonie, bei dem die Jugendlichen quasi in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen werden. Das passiert meist nach dem Schulabschluss, mit 16 Jahren. Bei der Zeremonie werden auch diejenigen bekanntgegeben, die für die Auslese ausgewählt wurden. Cia gehört zu den acht Glücklichen, die an der Auslese teilnehmen dürfen bzw. müssen. Zuerst ist die Freude groß, doch dann erfährt sie von ihrem Vater, dass es bei der Auslese ums pure Überleben geht. Er kann sich zwar an nicht mehr viel erinnern, hat aber seit seiner Auslese schlimme Albträume. 
Schon auf ihrer Reise nach Tosu-Stadt stellt sie fest, dass sie überwacht wird und es auch nicht besser werden wird. Ihr Vater hat sie gewarnt, dass sie niemandem vertrauen darf. Das kann sie sich nicht so recht vorstellen, doch bald wird ihr Vertrauen auf eine harte Probe gestellt. 

Der Anfang war mir zu langatmig. Bei dem Titel weiß man ja, dass sie definitiv ausgewählt wird, aber das muss alles ordentlich ausgebaut werden und zieht sich einfach viele Seiten hin, bis sie dann doch mal auf dem Weg nach Tosu ist. Das hat mir zu lange gedauert, da der Part einfach unnötig ausgeschmückt wurde. Auch wenn es sich dann wirklich nur noch der Auslese widmet, tendiert die Autorin zu Längen. 

Die Charaktere waren ganz cool, aber wenn sie manchmal fiese Eigenschaften hatten. Allerdings haben mir die Nebencharaktere besser gefallen, als Cia. 
Sie ist in einigen Dingen klar im Vorteil, vor allem was Pflanzen, Landarbeit und Technik anbelangt. Das wird mir nur viel zu oft wiederholt. Am Anfang wird das erwähnt und sobald sie etwas können muss, wird darauf zurück gegriffen. Mal hier ein kurzer Hinweis und da ein Hinweis ist okay, aber ständig wird darauf herumgeritten, wie clever sie ist. Neben ihrer Cleverness zeichnet sie noch ihr großes Herz aus. Sie vertraut sehr schnell, leidet mit anderen mit und kümmert sich. Am Anfang mochte ich sie, dann war sie mir fast völlig egal und gegen Ende hat sie mich genervt. Ich kann gar nicht richtig festmachen, woran es lag. Sie wurde mir einfach immer unsympathischer. 
Bei Thomas wird tausendmal erwähnt sie lieb und fürsorglich er ist. Er kümmert sich auch gut um Cia, bleibt ruhig, nur wurde es insgesamt mehr erzählt als gezeigt... Die erste Hälfte des Buches fand ich ihn noch präsenter, aber irgendwie ist er später etwas untergegangen. Er ist eigentlich ganz sympathisch, glaubt auch an das Gute im Menschen, vertraut aber anderen nicht so leicht, witzigerweise aber der Regierung, die sich die Auslese ausgedacht hat, weshalb er in eine ziemlich brutale Falle tappt. Er muss lernen, an Cia und ihren Instinkt zu glauben. Irgendwann hatte ich aber auch von ihm genug. 

Die beiden haben auch ein ernsthaftes Kommunikationsproblem. Viele Sachen, die die beiden erlebt haben, werden nicht angesprochen. Klar liegt das auch an der Überwachung, aber sie haben doch einen Weg gefunden, diese zu Umgehen. Einiges wäre besser gewesen, wenn sie hätten miteinander reden können. So wären auch ein paar Charaktereigenschaften verständlicher geworden. 
Immerhin waren die fiesen Kandidaten richtig gut gezeichnet und man hatte das Gefühl, dass sie ernsthafte Gegner waren. In den Nebencharakteren steckte fast mehr Leben, als in den Protagonisten. 

Der Stil hat mir nicht gefallen. Es ist sehr umgangssprachlich und gefüllt mit Füllwörtern. Die Sätze werden unnötig aufgebauscht, so dass ich das Gefühl habe, dass die Autorin keine Ahnung von einem präzisen Stil hat. Ich musste mir dann das englische eBook kaufen, weil ich nicht zurechtgekommen bin. Im Englischen übrigens gut lesbar und nicht ganz so anstrengend, im Deutschen hat die Übersetzerin etwas zu gut gemeint.
Mit hat oft die Spannung gefehlt. Wobei ich nicht weiß, ob die Autorin zu viel einbauen wollte oder mir die Figuren egal waren. Für mich war es eine Quälerei das Ende zu erreichen. Es passiert zwar ziemlich viel, aber ich muss sagen, dass »Die Auslese« an diverse andere Dystopien erinnert, z.B. »Die Tribute von Panem«. So kam es mir eher wie eine Wiederholung vor, die nicht mehr viel Spannung zu bieten hatte. 

Das Buch wirkte für mich inkonsequent. Es wird gesagt, dass die Ränder nicht lange durchhalten, aber darauf wird nicht noch mal eingegangen. Cia ist so clever und gut im Kombinieren, schafft es aber nicht auf die einfachsten Dinge zu kommen. Auch wird man manchmal vor vollendete Tatsachen gestellt, die dann erst im Nachhinein erklärt werden, statt den Weg zur Erkenntnis mit dem Charakter zu gehen. Es wirkt einfach nicht stringent, eher konstruiert und wahllos zusammengefädelt. 
Auch sind mir ein paar Lücken im Plot aufgefallen, die mich richtig gestört haben. Die Grundidee mag gut sein, aber sie scheint nicht völlig durchdacht zu sein. Ich glaube auch nicht, dass in den Folgebänden noch mehr dazu kommt. 

Zum Ende. Tja, es war schon ein bisschen typisch. Es muss natürlich mit einem Knall enden, alles andere wäre ja banal gewesen. Natürlich muss alles schiefgehen und natürlich muss die Heldin noch ein bisschen zögern und schwanken, bevor ihr ein wichtiges Detail, sowie eine Lösung einfällt. Hier haben wir wieder die konstruierte Spannung, die mich eher wahnsinnig gemacht hat, statt mich ans Buch zu fesseln. Das richtige Ende war dann eher unbefriedigend, aber immerhin war ich mit dem Buch durch. Weiterlesen werde ich nicht. 

Fazit: 
Kein Buch für mich. Es war dann doch eher anstrengend. Es hat sich hingezogen, weißt zu viele Parallelen mit anderen Dystopien auf und konnte mich nicht packen. 
Vielleicht ein Buch für Leser, die erst mit Dystopien anfangen oder kein Problem mit Ähnlichkeiten zu anderen Büchern haben. 

Es gibt nur 2 von 5 Herzen.
eure Maria


Kommentare:

  1. Schön zu wissen, dass sich unsere Geschmäcker zumindest manchmal überschneiden ^^.

    LG Puppette

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    1. In der Mitte war ich eigentlich gut dabei, aber dann ist es wieder abgestorben und das Ende hat mich nur noch genervt, die Autorin wollte echt nicht, dass es vorbei ist.... -.-
      Muss auch mal sein ;)

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  2. Hallo meine Liebe.

    Ich bin gerade auf deinen Blog gestoßen und möchte dir gerne sagen, dass es nahezu unmöglich ist, in einer Dystopie nicht urgendwelche Parallelen aufzustellen. Aber rechnen wir als Leser nicht eigentlich damit? Nur wril Katniss sich ähnliches Essen sucht und Fallen baut heißt das doch noch nicht, dass es nachgemacht ist. Nur weil der Roman unter anderem auch in Chicago spielt, heißt das nicht, dass der Roman nachgemacht ist von "Die Bestimmung". Klar gibt es Parallelen aber solange der Rest verändert ist, kann ich darüber hinweg sehen.

    Mir hat "Die Auslese" jedenfalls supergut gefallen, aber naja, jedem das Seine.

    Hat mich trotz allem gefreut.
    Viele liebe Grüße,
    Rainbow
    Walkingaboutrainbows.blogspot.com

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    1. Hallo,

      deine Kritik ist ja durchaus gerechtfertigt. Es ging mir auch nicht um solche Kleinigkeiten, zumindest nicht nur. Mir ist durchaus bewusst, dass nicht jede Dystopie eine innovative Neuerung bringen kann und es meistens irgendwie ums Überleben geht oder um das System. Mich hat nur eine Tatsache richtig gestört: Wieso bringen sie die (cleveren) Kinder um, obwohl diese sooo wichtig sind? Und sie dann auf einen Survival-Ausflug zu schicken erinnerte dann doch eher an Panem, zudem ja auch z.B. Waffen gesponsort wurden. Ich hab die meiste Zeit am Konzept des Buches gezweifelt und da fällt einem sowas eher auf, vielleicht wollte ich die Parallelen auch sehen.

      Es ist eben ein Buch, das seine Fans hat, nur gehöre ich leider nicht dazu ;)

      Liebe Grüße
      Maria

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