Montag, 8. September 2014

Rezension: "Wild Cards - Das Spiel der Spiele" - George R. R. Martin

entnommen bei randomhouse.de





Titel: Wild Cards – Das Spiel der Spiele
Herausgeber: George R. R. Martin
Genre: Fantasy
Verlag: Penhaligon
Seiten: 541
Preis: 15,-€ (tb) / 11,99€ (eB)

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Die Beschreibung:
The World's next SUPERHERO! 
Seit sich in den Vierzigerjahren das Wild-Card-Virus ausgebreitet hat und Menschen mutieren lässt, gibt es neben den normalen Menschen auch Joker und Asse. Joker weisen lediglich körperliche Veränderungen auf, während Asse besondere Superkräfte besitzen. Da ist zum Beispiel Jonathan Hive, der sich in einen Wespenschwarm verwandeln kann, oder Lohengrin, der eine undurchdringliche Rüstung heraufbeschwört. Doch wer ist Amerikas größter Held? Diese Frage soll American Hero, die neueste Casting Show im Fernsehen, endlich klären. Für die Kandidaten geht es um Ruhm und um so viel Geld, dass sie beinahe zu spät erkennen, was wahre Helden ausmacht.
Die Rezension:
Seit einer Weile will ich es schon mit George R. R. Martin probieren, habe mich aber noch nicht an »Das Lied von Feuer und Eis« heran getraut. Als dann aber »Wild Cards« veröffentlicht werden sollte, musste ich es einfach mal probieren. Vielen Dank an Penhaligon für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Es beginnt mit einem Mord. Wir befinden uns in der Wüste und erleben, wie Lilith den Kalifen ermordet. Und nicht nur den. Sie stiftet ein riesiges Chaos, legt sich mit einem Dschinn an und löst sich nach getaner Arbeit in Luft auf.
Kurz darauf folgt der Leser Jonathan Hive zu einem Casting. Es geht um American Hero, dort soll der größte Held gefunden werden. Beworben haben sich tausende von Assen und Jokern, die alle glauben, dass sie der größte Held sind. Jonathan scheint es aber auch noch um etwas anderes zu gehen. 
In vielen Wechseln wird die Story rund um American Hero erzählt und die Teilnehmer müssen beweisen, wie viel Heldenmaterial wirklich in ihnen steckt. 

Ich muss gestehen, dass ich mit den verschiedenen Perspektiven und Figuren so meine Schwierigkeiten hatte. Das Buch wurde ja von verschiedenen Autoren geschrieben, die sich ihre Asse und Joker ausgedacht haben. So wird eben jede Perspektive von einem anderen Autoren geschrieben. Insgesamt geht es mit der Handlung aber voran, es ist nicht lose oder zerstückelt, wie ich erst befürchtet habe. Nur wird z.B. auch später noch eine neue Person oder Perspektive eingeführt, der vorher keine Beachtung geschenkt wurde. Das fand ich dann etwas... störend. Dafür ist Jonatahan Hive einer der Haupterzähler, was ich wiederum gut fand. Aber dort tauchen dann auch plötzlich Brüche auf, es kommen (unnötige) Rückblenden oder Teile der Handlung werden nur kurz zusammen gefasst, obwohl sie in meinen Augen doch wichtig waren.
An sich findet sich der Leser in einem interessanten Konzept wieder, dass durchaus seinen Reiz hat, nur manchmal hat es mich auch ein bisschen frustriert oder rausgerissen. 

Die Charaktere gefielen mir aber richtig gut und sind den Autoren toll gelungen.
Jonathan Hive ist aalglatt und ganz schön dreist. Als Journalist passt dieser Zug aber zu ihm. Er sieht vieles sehr nüchtern und ist auch auf der Suche nach einer guten Story für seinen Blog. Seine Fähigkeit ist es, sich in einen Wespenschwarm zu verwandeln. Klingt erst mal lahm, ist aber ganz nützlich, wenn man spionieren will. Er ist hartnäckig und lässt nicht locker, manchmal unterschätzt er aber auch die Konsequenzen seiner Taten. 
Lohengrin ist ein ehrenhafter Ritter und verkörpert auch diese Ideale. Er redet manchmal etwas geschwollen und Hive nennt ihn gern naiv. Dafür hat er eine ziemlich coole Fähigkeit: Er kann eine Rüstung aus »Geisterstahl« sowie ein Schwert hervorrufen und ist dann unverwundbar. 
Drummer Boy ist ein echter Arsch, mit einer Größe über zwei Meter und sechs Armen. Er nutzt seinen Körper als Schlagzeug. Wortwörtlich. Ich habe eine Weile gebraucht, ehe ich kapiert habe, dass er echte Trommelfelle auf seinem Körper hat. Die meiste Zeit beschäftigt er sich mit Frauen oder gibt blöde Kommentare ab.
Cool fand ich auch noch Curveball, Earth Witch und Amazing Bubbles. Curveball kann alles werfen und in eine explodierende Waffe verwandeln. Auch von der Art her fand ich sie richtig angenehm zu lesen. Earth Witch kann »Löcher graben«. Im Buch lernt sie aber, dass ihre Fähigkeiten damit auf keinen Fall erschöpft sind. Das unsichere Mädchen, dass nach Hause will, erkennt, was alles in ihr steckt. Ja und Bubbles... Ihre Fähigkeit ist so ähnlich wie die von Curveball, nur formt sie die Kugeln aus ihrem Körper (weshalb sie einen enormen Körperumfang hat) und kann so Größe und Dichte variieren. Sie wirkt sehr sanft und nett, lässt sich aber auch leicht manipulieren. 

Ich könnte noch auf viel mehr Charaktere eingehen. Sie sind alle sehr individuell gestaltet und haben ihre Hintergrundgeschichten, Stärken und Schwächen. Es war manchmal schade, wenn eine Person keine eigene Erzählperspektive bekommen hat, oder diese nur einmal vorkam. Andererseits sind es auch so viele Personen, dass es einfach den Rahmen des Buches gesprengt hätte. 
Die Interaktionen sind auch ganz interessant, vor allem durch die Fernsehshow. Man fragt sich oft, wie viel gespielt ist oder ob sie wirklich so sind. Schnell wird klar, dass die einen mehr zu Teamarbeit fähig sind als andere. Wo die eine Gruppe einen Plan hat, versagt die andere auf ganzer Linie und streitet sich auch noch. Es war sehr unterhaltsam, quasi eine Fernsehshow zum Lesen. 

Die Stile sind schon unterschiedlich, es ist mir aber nicht soo sehr aufgefallen. Oft ist es auch auf die jeweilige Figur angepasst und wenn man die schon kannte, hat sich der Stil dann auch erklärt. Es ist unterhaltsam und spannend geschrieben, sodass man leicht am Ball bleibt. Wie erwähnt, haben mich manchmal die Perspektivwechsel rausgebracht, vor allem, wenn ich bin zum Ende des Kapitels gelesen und dann gesehen habe, dass es mit einem anderen Autoren/ einer anderen Figur weitergeht. 

Spoiler!
[Ich hatte ab der zweiten Hälfte Schwierigkeiten mit dem Buch. Die Ereignisse in Ägypten wurden wieder aufgegriffen, die Lage hat sich verschlimmert und ein Teil der Ausgeschiedenen bei American Hero machen sich auf den Weg, um zu helfen. Da ich kein Fan von Kriegsgeschichten bin und das Buch so auch in eine völlig andere Richtung gelaufen ist, als ich erwartet habe, war es teils schwierig weiter zu lesen. Das mag blöd klingen, zumal ich die Handlung dort auch wichtig fand, aber irgendwie ging meine Lesebegeisterung flöten. Es war spannend und alles, weswegen ich ja auch weiter gelesen habe, aber wirklich packen konnte es mich nicht mehr.] 

Die Idee der Karten fand ich aber richtig genial. Bei einem bestimmten Ereignis im Leben, wird die Karte aufgedeckt und die betroffene Person erfährt dann, ob sie ein Joker, ein Ass oder ein Normalo ist. Die meisten Joker weisen nicht nur eine bestimmte Fähigkeit auf, sondern verändert sich auch körperlich. Aus diesem Grund hat Drummer Boy z.B. sechs Arme, oder Wild Fox einen Fuchsschwanz. Die Asse haben meist sehr starke Fähigkeiten und somit mehr auf dem Kasten, als die Joker. 
Die Autoren haben aus den Assen und Jokern ziemlich viel heraus geholt und es kamen wirklich sehr viele gute Ideen zusammen. Bei den Fähigkeiten ist eine Menge vertreten, was das Lesen noch interessanter gemacht hat. 

Das Ende fand ich einfach zu kurz. Erst ist man mittendrin und dann wird der Rest nur noch zusammengefasst bzw. gar nicht mehr groß angesprochen, wie es dazu kam. Das hat mich dann ein wenig enttäuscht. Zwar wurden alle Themen größtenteils »beendet«, aber ich war dann doch etwas frustriert, dass es so abrupt vorbei war. Ich hatte fast das Gefühl, dass ein oder zwei Kapitel gefehlt haben. Es bleibt echt viel offen und nun darf der Leser auf das nächste Buch warten. 

Fazit:
Ein Buch mit vielen Höhen, aber auch ein paar Tiefen. Es ist spannend und interessant, witzig und ernst. Es kommt viel zusammen, nicht nur an Autoren sondern auch an Ideen. Manchmal wirkte es etwas zu komprimiert und andere Sachen zu sehr aufgebauscht. Da sollte noch der richtige Mittelweg gefunden werden. 
Bei der Bewertung habe ich stark geschwankt, da es mir im Großen und Ganzen gefallen hat, ich auch weiterlesen würde, aber die zweite Hälfte aus meiner Sicht doch etwas schwächer war. Und dann das Ende...
Nichtsdestotrotz ein cooles Buch, dass ich weiterempfehlen würde. 

Von mir gibt es unsichere 3,5 von 5 Herzen! Mal sehen was der nächste Band so bringt.


eure Maria


Kommentare:

  1. Hi Maria,

    ich hatte auch überlegt, ob das Buch was für mich ist. Nach deiner Rezi bin ich irgendwie noch ein Stück weiter auf Abstand als vorher. Ich glaube der Autor und ich sind nicht auf einer Wellenlänge. Wieso muss der eigentlich immer so gigantisch umfangreiche Reihen schreiben?

    LG
    Anja

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  2. Huhu,

    ja an sich ist es echt gut, aber so paar Sachen haben mich eben gestört. Er hat es ja nicht selbst geschrieben, ich glaube es ist auch nur ein (längeres) Kapitel direkt von ihm. Und von einem anderen Blogger weiß ich, dass es sich hier um den 18. Band handelt. Er hatte bei Penhaligon nachgefragt, so gesehen müsstest du die vorhergehenden 17 nicht lesen ;) Und bei den vielen Helden versteht man auch die Vielzahl der Bücher. Aber ja, ist schon etwas viel...
    Du könntest dir ja eine Leseprobe anschauen, wenn du Interesse hast, oder noch mehr Rezensionen abwarten ;)

    Liebe Grüße
    Maria

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    1. Hi Maria,

      wow... wieso macht man den sowas verwirrendes? Ich glaube das ist einfach nichts für mich. Das ist mir zu Hoch diese Vorgehensweise ^^. Ein paar Rezis schau ich mir trotzdem noch an.

      LG
      Anja

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    2. Na ja, verwirrend war da ja eher der Verlag ^^"
      Das Buch wird garantiert auf seeeehr unterschiedliche Meinungen stoßen. Spricht auch nicht alle an. Also wie gesagt, die Idee find ich gut, ich würd auch weiter lesen, aber ich überlege gerade, von vorń anzufangen ^^

      LG
      Maria

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