Sonntag, 28. September 2014

Filmkommentar: "The Giver - Hüter der Erinnerung"







Titel: The Giver - Hüter der Erinnerung

Genre: Dystopie
Darsteller: Jeff Bridges, Meryl Streep, Brenton Thwaites, Alexander Skarsgard, Katie Holmes, Odeya Rush
Länge: 97 Minuten









Für Buchverfilmungen, vor allem, wenn es um Dystopien geht, bin ich ja fast immer zu haben. Umso mehr habe ich mich gefreut, als der Film letzte Woche in der SneakPreview lief. Allerdings hat er mich nicht vollends vom Hocker gerissen.

Die Handlung...
... ist recht einfach und geradlinig. Nach sechzehn Jahren Kindheit wird nun entschieden, welche Aufgaben den Jugendlichen zugewiesen wird. Bei einer Zeremonie erfahren sie, was ihre Bestimmung ist. Alle haben schon einen Wunsch oder wissen, was sie wollen, alle bis auf Jonas. 
Am Tag der Zeremonie wird er zum Hüter ernannt und ist von nun an für die Erinnerungen verantwortlich und wird irgendwann als Berater der Regierung tätig sein. Doch bald erfährt er, dass seine perfekte Welt gar nicht so perfekt ist. Die täglichen Impfungen sind nicht nur dazu da, die Einwohner gesund zu halten, sondern auch um Emotionen zu unterdrücken. Niemand weiß was es in der Welt noch gibt, alle sind so, wie sie sein sollen und machen, was ihnen aufgetragen wurden. Dabei kennen sie nicht immer die wahre Bedeutung dahinter. 
Jonas stellt die Impfungen ein, sodass nach und nach Emotionen durchkommen, die erfolgreich unterdrückt wurden und ihm wird klar, wie wichtig es ist, dass sich alle wieder erinnern. Mit dem vorherigen Hüter sucht er nach einem Weg, die Erinnerungen zurück zu bringen. 

Schön war, dass der Film in Schwarz-Weiß begann. Das mag ungewöhnlich sein, passte aber wirklich gut. Ich fand es auch ziemlich mutig, dass sie das durchgezogen haben. Später konnte Jonas genau wie der Hüter, Farben sehen. So ließen sich auch gut die verschiedenen Perspektiven verdeutlichen. Bei Jonas wurden die Bilder immer farbiger, bei seiner Familieneinheit und anderen blieb es dagegen schwarz-weiß.

Die Charaktere...
... fand ich bis auf den Hüter recht langweilig. Die meisten Menschen sind sich ähnlich, einfach dadurch, dass sie ja kaum Gefühle empfinden. Der ein oder andere mag etwas strickter oder lockerer sein, wirkliche Unterschiede sind aber nicht zu erkennen. 
Jonas sieht sie Dinge anders als anderes. Ab und an konnte er Farben erkennen, etwas, dass andere nicht können. Er ist neugierig, hinterfragt viel und zweifelt schnell an der Richtigkeit der Dinge. Das macht ihn zugleich zu einem guten, aber auch gefährlichen Hüter. Er will etwas ändern.
Fiona und Asher sind seine besten Freunde, zumindest bis zur Zeremonie. Zusammen hatten sie immer viel Spaß und die ein oder andere Regel ignoriert. Doch dann verändert sich Asher. Er wird ernster und hat keine Lust mehr auf die Albernheiten. Regeln gehen für ihn über alles, er wird zur Maschine des Systems. 
Fiona will auch weiterhin mit Jonas befreundet sein und alles über seine Aufgabe erfahren. Obwohl er nicht darüber reden darf, will er sie einweihen und bringt sie dazu, die Impfung auszulassen. So fühlt auch sie Dinge, die sie bis dahin nicht kannte, ist verwirrt, will aber mehr. Sie steht hinter Jonas.

Es ist ganz interessant, wie die Welt konstruiert ist. Es gibt keine Lügen, keinen Hunger, aber auch keine richtigen Familien, sondern nur Familieneinheiten. In der Gebärstation werden Kinder geboren, aufgepäppelt und dann den Paaren zugewiesen, die einen Antrag gestellt haben. Die Babys die zu klein sind, werden nach Anderswo geschickt, genauso wie die Alten und Schwachen. Hieran merkt man gut, dass man nur mit Worten, eine Tätigkeit nicht verstehen kann, wenn man nichts fühlt. Jonas' Vater ist dafür zuständig die Menschen freizugeben. Er tötet sie, ohne wirklich zu begreifen, was das bedeutet. 

Aber auch die Gestaltung hat mir gut gefallen. Zum einen das Schwarz-Weiß zum anderen die Stadt an sich und der Aufbau der Welt. Der Hüter lebt am Abgrund. Dahinter liegt Nebel und niemand weiß, was dann kommt, da niemand weiter als bis zum Abgrund gehen darf. Doch Jonas hat einen Baum im Nebel gesehen, obwohl es immer heißt, dass nirgends mehr Bäume wachsen können. Seine Neugier wächst und wächst. 

Doch das alles konnte mich nicht vollends überzeugen. Die Handlung und Personen sind genau wie der Film anfangs: Schwarz-Weiß. Es ist klar, wer gut und wer böse ist. Der Plot ist auch recht einfach. Es war ziemlich klar, dass Jonas die Erinnerungen für alle zurück holen will, obwohl es ja so viel schlechtes in der Welt gab, wovon er ja auch weiß. Er will alles zurück haben und ignoriert vollends, dass seine aktuelle Welt auch Vorteile hat. Es gibt keine Kriege, keinen Hunger, keine Armut. Aber das alles ist unwichtig, solange es nur wieder Emotionen gibt, am wichtigsten von allen: Liebe. Das mag zwar richtig sein, aber doch auch ein wenig platt. Auch habe ich mich gefragt, wieso er dann nicht eher dafür sorgt, dass die Impfungen eingestellt werden, so wären die Emotionen immerhin wieder da. 

Spoiler!
Das Ende hat mir den Film etwas vermasselt. Bis dahin war alles noch in Ordnung und halbwegs gut aufgezogen. Aber wie er da mit dem Baby durch die Gegend latscht, war dann doch etwas blöd. Auch die Idee mit der Erinnerungsbarriere... Natürlich brauchte es die, damit ein Hüter da durchlaufen kann und alles wieder so ist, wie vorher. Wenn es die nicht gegeben hätte, hätte man sich ja wirklich eine clevere Lösung überlegen müssen... Mir war das zu einfach, weshalb ich auch etwas enttäuscht vom Film war.

Im Vergleich zu anderen Dystopien hat es schon seine Schwächen, aber auch ein paar Höhen. Ich muss aber sagen, dass ich mir lieber "Divergent - Die Bestimmung" (Rezi hier) ansehe oder eben "The Hunger Games". Da wurde das Thema schon interessanter umgesetzt. Ich hatte das Gefühl, dass das Buch vor allem auch verfilmt wurde, weil Dystopien momentan beliebt sind. Dass auch ein über 20 Jahre altes Buch die Chance auf eine Verfilmung bekommt, ist toll, aber ein bisschen mehr Spannung etc. wäre schon schön gewesen. 

Fazit:
Ein Film, den man sich ansehen kann. Er hat ein paar schöne Ideen vorzuweisen, aber leider war ich auch etwas enttäuscht. Man sollte vielleicht nicht zu viel erwarten, es ist eher ein leichter Film für Zwischendurch.

Viel Spaß beim Filmschauen!
eure Maria


Kommentare:

  1. Heyhey Maria! =)

    Eine wirklich tolle Filmkritik. Eigentlich wollte ich den Film ja auch im Kino sehen, aber ich habe mich jetzt doch einfach für die DVD irgendwann mal entschieden. Es eilt dann doch nicht ^^. Nach deiner Beschreibung scheint es eigentlich wirklich ein guter Film zu sein für einen verregneten Herbstabend vor der Glotze! =)

    Einen schönen Abend wünsche ich dir! =)

    Bianca

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    1. Huhu,

      ja wie schon vorher erwähnt, war er eigentlich ganz gut, ABER... Das Ende hat es für mich schon ziemlich verkackt. Ich bin froh, dass wir ihn vorher, zum geringeren Preis gesehen haben, sonst hätte ich mich geärgert. Also für mal eingekuschelt aufm Sofa ganz okay, aber Kino lohnt sich glaub kaum.

      Dir auch noch einen schönen Abend! :)

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    2. Den Spoiler hatte ich mir jetzt ganz brav nicht durchgelesen *stolz*. Herbstfilmabend empfohlen by Maria - gebongt! =D Also nächstes Jahr :-P

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