Samstag, 21. Juni 2014

Rezension: "My Book of Life by Angel" - Martine Leavitt

entnommen bei thienemann.de








Titel: My Book of Life by Angel
Autor: Martine Leavitt
Verlag: Thienemann
Seiten: 256
Preis: 14,99€ (HC) / 13,99€ (eB)

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Die Beschreibung:
Vorne auf mein Buch schrieb ich
„Mein Buch des Lebens von Angel“,
was übrigens mein echter Name ist,
und meine wahre, eigene Geschichte,
vielleicht einst von einem anderen
Engel zu verlesen. 
 
Angel, 16 Jahre alt, trifft auf Call – diese Begegnung verändert ihr normales Leben. Bevor sie es richtig merkt, macht Call sie drogenabhängig und schickt sie auf den Babystrich. Angel beginnt, ihr Leben zu hassen. Sie schafft es aber erst, auszubrechen, als Call ein noch jüngeres Mädchen mitbringt. Angel nimmt den Leser mit auf die Reise in ihr Innerstes. Man wird Zeuge von Angels Gedankenfetzen, Überlegungen, inneren Monologen und Gesprächen.
Die Rezension: 
Das Buch wurde mir von Blogg dein Buch und dem Thienemann Verlag zur Verfügung gestellt! 
Das Buch habe ich bei BdB gefunden und fand es eigentlich ganz interessant. Nach dem Lesen war ich dann Hin und Her gerissen. 

Es beginnt mit Angel. Sie erzählt wieso sie das Buch angefangen hat, wie sie zu dem wurde, was sie ist und wie es so läuft. 
Angels Freundin ist verschwunden. Sie hat immer an Engel geglaubt und Angel davon zu überzeugen versucht, dass es wirklich welche gibt. Wenn man an Engel glaubt, wird alles gut, es tröstet. Doch dann ist sie weg und Angel beschließt mit dem Buch anzufangen. Sie schreibt alles auf, ihre Gedanken und auch einige Gespräche. Sie ist Prostituierte und drogenabhängig. Doch letzteres will sie ändern. Sie will von den Drogen wegkommen, das hat sie sich geschworen. Als Call, ihr 'Zuhälter' mit einer Elfjährigen ankommt, muss sie etwas unternehmen, damit das Mädchen nicht auch mit hinein gezogen wird. 

Am Anfang ist es schon sehr ungewohnt zu lesen und man braucht eine Weile, ehe man sich eingefunden hat. Das Buch ist in Versen geschrieben, die sich zwar nicht reimen, dennoch ungewohnt sind. Man kann die Verse aber auch wie ein Buch lesen, indem man sich nicht von Zeile zu Zeile, sondern von Satzzeichen zu Satzzeichen hangelt. Das macht es leichter. Ich werde mir das Buch aber noch einmal durchlesen, dann aber nicht in einem Rutsch, sondern immer mal wieder einen Eintrag.

Die Charaktere werden nur grob beschrieben, aber ausreichend, um ein gutes Bild von denr jeweiligen Person zu haben. 
Angel ist etwas schwer zu greifen. Sie wirkt zuerst etwas abwesend und verwirrt, was sich mit ihrem Drogenkonsum erklären lässt. Als sie mit dem Buch anfängt, hört sie gerade erst mit den Drogen auf. Ihre Situation scheint sie hingenommen zu haben. Angel liebt ihre Familie und vor allem ihren Bruder. Am liebsten würde sie wieder zurück und hat sich auch dazu durch gerungen, einen Brief an ihren Vater zu schreiben. Sobald sie von den Drogen los wäre, dürfte sie nach Hause kommen. 
Nach dem Tod ihrer Mutter ging es für sie bergab, sie fing an Schuhe zu stehlen, traf auf Call und dann kamen die Drogen.
Call ist ein richtiger Ar***. Er freundet sich mit Angel an, gibt ihr Zückerchen, scheint sie zu verstehen, doch irgendwann soll sie dafür bezahlen. Er schickt sie auf den Strich, spielt ihr Liebe vor und lässt sie großzügiger Weise bei sich wohnen. Nun hat er einen neuen Businessplan und will die Prostitution legalisieren. Vom Auftreten her, ist er mir sofort unsympathisch gewesen. Man möchte ihn am liebsten schlagen. Spätestens als er Angel dann damit droht, dass er ihrem Bruder wehtut, wenn sie nicht macht, was er will, habe ich ihn gehasst. 
Gut gefallen hat mir auch Widow. Sie ist auch eine Prostituierte, aber älter und steht auf der anderen Straßenseite. Sie gibt sich tough und kratzbürstig, aber eigentlich ist sie ganz cool und will sich nur, wie alle, ihr Einkommen sichern. 

Trotz der teils groben Charakterisierung, hat man doch ein genauer Bild der Figuren. Die Interaktionen sind manchmal witzig, meist aber ernst. Als noch Melli auftaucht, entwickelt Angel eine sehr enge Beziehung zu ihr. Sie will das Mädchen schützen und riskiert ziemlich viel für sie. Da sie Melli nicht auf den Strich schicken will, muss sie aber doppelt so viel verdienen, als normalerweise. Um ernst zu machen, droht ihr Call wieder. 

Der Stil ist wie erwähnt gewöhnungsbedürftig. Die Ausschnitte wirken teils wie genau das: Ausschnitte, Fragmente, Gedanken. Mal ist es wirr, mal sehr nah. Wenn man einmal einen Rhythmus gefunden hat, kommt man gut voran. Ich fand, dass Angel manchmal sehr distanziert, oder eher nicht greifbar wirkte. Das beschriebene wirkt dann plastisch, als hätte sie schon längst damit abgeschlossen, dass machte es mir schwer, das Buch bzw. Angel selbst greifen zu können. Dennoch konnte ich diese Distanz verstehen, bei dem Thema ist es verständlich. Es geht um Prostitution, was will man da groß verschönern? 
Von der Sprache her ist es recht schlicht und simpel. Manchmal hat sie ein paar coole Beschreibungen drin, meistens ist es aber direkt, ungeschönt und der Text liegt quasi nackt vor einem. 

Vom Thema her sehr böse, aber auch genial umgesetzt. Das Tabuthema wurde mal von einer anderen Seite beleuchtet und bezieht sich zum Teil auf reale Ereignisse. Ich finde gut, dass das Thema der Verschwundenen Prostituierten aufgegriffen wurde. Die Wahrheit ist aber auch, dass es niemanden interessiert hat. Im Nachwort wird noch auf diese Fälle eingegangen. Meiner Meinung nach ein wichtiges Thema, dass nicht totgeschwiegen werden sollte.

Das Ende kommt schnell und plötzlich. Angel braucht einen Plan und will raus, und wenn sie schon nicht raus konnte, dann wenigstens Melli. Für das Mädchen würde Angel viel auf sich nehmen. Schnell kommt sie mit einem Plan daher, der sie retten könnte. 

Fazit:
Ich muss sagen, dass es mir insgesamt etwas kurz vorkam und ich mit der einfachen Sprache ab und an Probleme hatte. Man sollte sich für das Buch also auf jeden Fall Zeit nehmen. Alles in allem ein wichtiges und doch auch grausames Thema, dass auf interessante Weise umgesetzt wurde. 

Von mir gibt es 4 von 5 Herzen!

eure Maria

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