Sonntag, 15. Juni 2014

Rezension: "Dracula" - Bram Stoker

entnommen bei fischerverlage.de







Titel: Dracula
Autor: Bram Stoker
Genre: Fantasy
Seiten: 512
Preis: ab 7,95€ (tb) / 0,99€ (eB)










Die Beschreibung:
Fritz Murnaus ›Nosferatu‹, Roman Polanskis ›Tanz der Vampire‹ – neben Frankenstein zählt der Fürst der Finsternis zu den klassischen Helden des Horrorfilms. Grundlage aller Adaptionen und Varianten ist der berühmteste Vampirroman der Weltliteratur: Bram Stokers ›Dracula‹. Vom düsteren Karpatenschloss über den Pfahl, der dem Opfer ins Herz gerammt werden muss, bis hin zu Draculas Gegner, dem genialen Professor Van Helsing: Stokers effektvoller Grusel-Roman, der hier in der Erstübersetzung vorgelegt wird, hat die Weichen für das gesamte Vampir-Genre gestellt.
Die Rezension:
Das Buch sollten wir für die Uni lesen. Ich wollte es sowieso mal lesen, da hat das ganz gut gepasst. Bisher habe ich eher einen Bogen um den Grafen gemacht und kaum eine Ahnung gehabt, was mich erwarten würde. Ich war zu gleichen Teilen fasziniert und genervt beim Lesen.

Es beginnt mit einer Reise. Jonathan Harker reist nach Transsilvanien, um einen Kunden zu betreuen. Dieser will nach England ziehen und hat die Firma in der Harker arbeitet mit der Regelung der Angelegenheit beauftragt. Als Harker im Schloss eintrifft, wird er so schnell nicht wieder heimkehren dürfen. Er lernt den Grafen kennen und entdeckt so manch seltsame Erscheinung oder Eigenheiten. Langsam dämmert ihn, dass der Graf nicht der ist, der er vorgibt zu sein. Die Vermutung, dass der Aufenthalt auf dem Schloss für ihn tödlich endet, wird immer deutlicher.
Dann folgt ein Bruch. Der Leser befindet sich in London bei Jonathans Verlobter und deren Freundin. Kurze Zeit läuft ein Schiff im Hafen ein und mit ihm ein gewaltiges Problem. 

Ich muss sagen, dass ich das Buch am Anfang sehr faszinierend fand. Zuerst musste ich mich zwar eingewöhnen, aber ich war eigentlich schnell drin. Die kleinen Hinweise sind gut verstrickt und zur damaligen Zeit mögen die Beobachtungen dem Leser so manchen Schauer über den Rücken gejagt haben. Dann kam allerdings der Bruch, welcher mich vollkommen aus dem Buch geworfen hat. Die Damen schwatzen über Verehrer und die Liebe. Das habe ich einfach nicht erwartet. Danach fiel es mir schwer, wieder einen Draht zum Buch zu finden. 

Die Charaktere sind ganz interessant beschrieben. 
Der Graf ist clever und mächtig. Er lebt schon seit einigen Jahrhunderten und weiß sich zurecht zu finden. Er ist unsterblich und besitzt verschiedene Kräfte. Er kann Tiere kontrollieren und sich in solche verwandeln (Wolf, Fledermaus), er kann ein wenig das Wetter kontrollieren und sich selbst kurz in Nebel auflösen, aber dafür hat er auch die Schwäche, dass er fremde Häuser nur betreten darf, wenn er hereingebeten wurde und zudem ist er tagsüber machtlos. Am Tag verfällt er in einen Schlaf, aus dem er nicht erwachen kann. Allerdings meine ich mich an eine Stelle zu erinnern, als er auch tagsüber draußen herum lief... 
Seine Gegenspieler sind etwas planlos. Erst mit Van Helsings Hilfe wissen sie, womit sie es zu tun haben. Über den Professor erfährt man nicht besonders viel. Er ist aus den Niederlanden und sehr angesehen, woher er sein Wissen genau hat, ist nicht wirklich bekannt. 
Die anderen werden auch grob umrissen und haben so ihre Merkmale, damit man sie unterscheiden kann. Ich hatte aber das Gefühl, dass sie insgesamt eher grob gezeichnet war, um das Hauptaugenmerk auf die Handlung zu lenken. An sich nichts schlechtes, da man trotzdem folgen konnte. 

Dracula war mir gegen Ende dann doch etwas zu schwach. An seiner Stelle hätte ich meine Feinde gleich aus dem Weg geräumt. Die Veränderung gefiel mir nicht so gut. Auch war nicht ganz klar, wie Harker es aus dem Schloss geschafft hat, da hatte ich auch erwartet, dass Dracula besser aufpasst. Hier und da finden sich schon ein paar Unstimmigkeiten.

Der Stil ist sehr gewöhnungsbedürftig. Das Buch ist als Tagebuch geschrieben. Verschiedene Personen berichten von den Ereignissen. So kennt der Leser auch die verschiedenen Blickwinkel und Handlungsebenen. Wirkliche Unterschiede im Stil habe ich bei den einzelnen Personen aber nicht festgestellt. Es liest sich größtenteils gleich, sodass ich teilweise, wenn ich das Buch wieder zur Hand nahm, erst mal eine Weile brauchte um festzustellen, wer gerade berichtet. 
Die Sprache ist zeitgemäß (Ende 19. Jh), aber ich kam eigentlich gut damit zurecht, nur klangen einige Sätze, vermutlich wegen der Übersetzung, nicht ganz einwandfrei. Darüber lässt sich aber hinwegsehen. Ich fand es teils sehr spannend, teils aber auch nervig, vor allem gegen Ende. Durch diesen Tagebuchstil wird einfach auf alles eingegangen, was ich z.B. kurz vorm Finale nicht mehr relevant fand. Da war es mir egal, was Mina alles mit sich herumtragen musste, wie oft sie geschlafen haben und so weiter... Das hat mich ganz schön ausgebremst. 

Die Idee ist und bleibt aber unschlagbar. Der Leser entdeckt mit den Anderen die Stärken und Schwächen des Grafen und erfährt allerlei interessante Dinge. Aber auch die Verwandlung von Lucy ist faszinierend beschrieben, dass man leicht am Ball bleibt und wissen will, was genau noch mit ihr passiert. Aber auch die drei Frauengestalten im Schloss fand ich interessant, etwas gruselig, aber eine tolle Idee. Es ist cool zu sehen, wie der Vampir durch Bram Stoker entstanden ist, vor allem im Hinblick auf die ganzen Adaptionen. 

Das Ende war dann kurz und schmerzlos. Es war schon spannend, aber ich war etwas frustriert. Bram Stoker hat sein Tempo und seinen Stil beibehalten und wie oben erwähnt, auch weiterhin nicht mit Beschreibungen gespart. So hatte ich das Gefühl, dass es zwar aufs Ende zugeht, ich aber zurückgehalten wurde. Das eigentliche Ende war dann wirklich sehr kurz, da hatte ich vielleicht zu viel erwartet. 
Insgesamt dann aber doch rund und ein ganz guter Abschluss des Buches.

Info zu den Ausgaben:
Ich habe die Kindle-Edition für 0,99€ gelesen und da war die Übersetzung in Ordnung. Bei der Fischerausgabe (8€ Taschenbuch) sollen aber sehr viele Fehler, auch Tippfehler, drin sein. Also schaut euch lieber vorher ein paar Kommentare an, damit der Kauf kein Reinfall wird.

Fazit:
Ich finde es gut, dass wir uns mit dem Buch beschäftigt haben und ich es deshalb auch endlich mal gelesen habe. So ganz mein Fall war es dann aber doch nicht. Der Schreibstil hat mich am Ende doch mehr gestört, als begeistert. 
Von der Handlung her aber auf jeden Fall gelungen!

Von mir nur 3,5 von 5 Herzen!

eure Maria

Kommentare:

  1. Ich überlege grade, was du studierst xD Eine interessante Kritk, sehr kritisch- gefällt mir xD

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    1. Überlegst du, ob dus auch studieren willst?^^ Germanistik, wir haben ein Seminar zu 'Schwarze Romantik' und da passt Bram Stoker sehr gut :) Demnächst behandeln wir auch Fred Ink ;)

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