Samstag, 1. Februar 2014

Filmkommentar: "Der große Gatsby"






Titel: Der große Gatsby

Genre: Drama
Regie: Baz Luhrmann
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Tobey Maguire, Carey Mulligan, Joel Edgerton, Isla Fischer, Adelaide Clemens
Länge: 142 Minuten








Um mal den Buchverfilmungen treu zu bleiben, allerdings muss ich sagen, dass ich nach dem Trailer mit allem gerechnet habe, aber nicht wirklich damit. 
Allerdings kenne ich auch hierzu nicht die Vorlage.

Die Handlung ... 
... hat mich erst überrascht, dann gelangweilt. Es gibt Nick, den Schriftsteller, der aber nicht wirklich ein Bein in die Verlagstür bekommt, Daisy - seine Cousine, Tom - ihr Mann, und den geheimnisvollen Gatsby, der direkt neben Nick wohnt und riesige Partys veranstaltet. Laut Nick besucht jeder diese Partys, man wird nicht eingeladen, sondern taucht einfach auf. Er selbst ist wohl der einzige, der je eine formale Einladung erhalten hat. Natürlich nimmt er sie an und findet sich im berauschendsten und pompösesten Fest wieder, dass er je erlebt hat. Dennoch bleibt die Frage: Wer ist Gatsby? Keiner scheint ihn zu kennen, aber alle haben sich andere Geschichten über ihn zu erzählen. Plötzlich taucht er auf, unterhält sich mit Nick, aber wirklich was über ihn erfahren tut man nicht. 
Die Freundin von Daisy, Catherine, kennt Gatsby angeblich die beiden verbindet ein Geheimnis. Einige Zeit später wird Nick eingeweiht. Es geht um eine Bitte. Erst war ich gespannt, dann enttäuscht. Natürlich ging es dabei um eine Frau. Daisy. Gatsby will sich mit ihr treffen und Nick soll ihm dabei helfen.

Ich weiß nicht mehr genau, was ich erwartet habe, aber ich war wirklich enttäuscht. Der Trailer und der Anfang haben irgendwie etwas anderes versprochen. Geheime Machenschaften, verbotene Geschäfte... Aber nein. Es geht um die Liebe. Was ja an sich nicht zu verachten ist. Aber irgendwie bin ich mit dem Film nicht mehr richtig warm geworden. Alles andere passiert so am Rande und es dreht sich nur noch darum, wie Gatsby Daisy von sich überzeugen will und er sie später bedrängt, es Tom zu sagen. 
Mir ging das später ziemlich auf die nerven, auch wenn es vermutlich zeitgetreu war, aber das ständige Bevormunden und Bedrängen war anstrengend. 
Inwieweit der Film buchgetreu ist, kann ich leider nicht sagen, ich hoffe fast, dass das Buch besser ist, der Film konnte mich nicht packen. 

Die Charaktere ... 
... waren allesamt viel zu blass. Na gut, vielleicht bildet Gatsby da eine kleine Ausnahme. Sie konnten mich kaum mitreisen und von ihrer Tiefe habe ich auch nicht viel gespürt. Catherine soll zum Beispiel eine sehr furchteinflößende Frau sein soll, davon habe ich gar nichts gemerkt. Ob es am Autor oder der Umsetzung lag: es wurde mehr über die Charaktere geredet, als wirklich gezeigt wie sie sind. 
Gatsby verrät später noch seine wahre Geschichte. das macht ihn wieder ganz ansprechend. Auch seine Motive und Schwächen werden gut aufgezeigt. Er schwankt stark zwischen Verlangen und Verzweiflung. Diesen Kontrast konnte Leonardo DiCaprio sehr gut umsetzen. Allgemein gefiel mir die Besetzung des dekadenten Gatsby ziemlich gut, es passte gut zusammen. 
Nick hat irgendwie nie den Mund aufbekommen. Er ist gleichzeitig der Erzähler der Geschichte, da hat er auch ziemlich viel zu sagen, aber als handelnder Nick hält er sich sehr zurück. Gatsby hält sehr oft Monologe, da Nick nicht auf ihn eingeht. Inzwischen habe ich das Gefühl, nichts über ihn zu wissen. Auch dass er mit in Gatsbys Geschäfte verwickelt ist, erfährt der Zuschauer nebenbei gegen Ende... Ein seltsamer Mann, den Tobey Maguire aber ganz gut verkörpern konnte. Der zurückhaltende Büroangestellte passte ziemlich gut.
Daisy ist die klassische Frau der 20er Jahre. Stilecht mit Bubikopf, mimt sie die gehorsame Ehefrau. Sie steht immer im Hintergrund, unterwirft sich und scheint auch nicht wirklich eine Meinung haben. Sie lässt sich bevormunden und will es allen recht machen. So war das eben damals... Aber viel mehr als ein Schatten ist sie meiner Meinung nach nicht. Schwer zu sagen, ob Carey Mulligan da noch viel hätte herausholen können. Ich mochte sie eigentlich ganz gern, aber in der Rolle hat sie mich nicht überzeugt, was aber auch an der blassen Vorlage liegt. 

Gefallen hat mir aber dennoch der Anfang. Der Zuschauer (der das Buch nicht kennt) weiß noch nicht wo es hingehen soll und die pompöse Party war schon sehr eindrucksvoll und bildgewaltig. Allgemein gibt es viele schöne Bilder und es wurde mit Liebe zum Detail gearbeitet. Die Kulissen und Kostüme sind sehr schön und konnten mich überzeugen. 

Schade war, dass der Schwerpunkt so sehr auf die Liebesgeschichte gelegt wurde. Auch wenn die Buchvorlage da sehr strikt war, hätte ich mir schon ein wenig mehr Action und Wirrungen gewünscht. Der Film plätscherte so vor sich hin, sodass man zwar am Ball blieb, aber es eigentlich auch hinter sich haben wollte. Auch der große Twist war eher vorhersehbar als unerwartet und das Ende war ebenfalls leicht durchschaubar. Die 142 Minuten wurden von Baz Luhrmann nicht voll ausgeschöpft und so bleibt man am Ende mit dem Gefühl zurück, dass der Film viel verschenkt hat.

Fazit:
So wirklich mitreißen konnte er mich nicht. Ich hätte mir mehr gewünscht, mehr Intrigen, mehr Spiel, mehr von allem. Es dümpelte so vor sich hin und der große Knall blieb so gut wie aus. Ob ich das Buch je lesen werde, ist schwer zu sagen, aber die Hoffnung bleibt, dass es besser ist. 
Es wurde meiner Meinung nach viel Potential verschenkt und sich ein wenig auf dem wirklich guten Cast ausgeruht. Da wäre noch mehr möglich gewesen. Für mich leider enttäuschend.

eure Maria

Kommentare:

  1. Ich habe das Buch gelesen und mich auch gefragt: War das schon alles? die Liebesgeschichte steht im Vordergrund, wichtiger ist aber das Nebenbei - die Umstände, die der Autor ironisch aufgreift.

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    1. So wirklich kam das im Film irgendwie nicht raus. Da wurde sich eigentlich nur um die Liebesbeziehung gekümmert. Nicht mal der Aspekt von wegen "Oh, aber sie ist verheiratet" fiel da in irgendeiner Art ins Gewicht.

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