Samstag, 28. Dezember 2013

Rezension: "Traumlos: Im Land der verlorenen Seelen" - Jennifer Jäger

entnommen bei carlsen.de






Titel: Traumlos – Im Land der verlorenen Seelen
Autor: Jennifer Jäger
Genre: Dystopie
Verlag: Im.press
Seiten: 328
Preis: 3,99€ (eB)









Der Klappentext:
Die siebzehnjährige Hailey kann nicht träumen und das, obwohl sie in einer Gesellschaft lebt, die durch ihre Träume gesteuert wird. Der Regierung ist sie ein Dorn im Auge und es dauert nicht lange, da muss auch Hailey an den Ort der Traumlosen – in die "Klinik", aus der keiner jemals zurückgekehrt ist. Doch dort lernt sie den ungewöhnlichen Jungen Caleb kennen, der ihr nicht nur hilft hinter das Geheimnis der Regierung zu kommen, sondern an den sie auch ihr Herz verliert …


Die Rezension:
Beim Stöbern im eBook-Shop findet sich ja so einiges. Nachdem mir das Buch auch noch vorgeschlagen wurde, habe ich es mir genauer angesehen und später gekauft. Das Cover sah gut aus, der Klappentext klang auch gut und der Preis war okay. Aber leider hielt es nicht, was es versprochen hat.

Es beginnt mit einer Szene, die der Leser nicht so wirklich zuordnen kann. Jemand stirbt, weil er einschläft. Den plötzlichen Anfang mochte ich eigentlich. Der Leser wurde direkt in die Handlung geworfen und landet im Anschluss bei Hailey. Das Mädchen hat ein Problem: Sie träumt nicht, obwohl jeder im Land träumt. Die Regierung nutzt die Träume der Menschen, als Mittel um sie zu kontrollieren und schützt sie zudem vor den Seelenfressern. Hailey stellt allerdings ein Problem dar, eben weil sie nicht träumen kann. Ihr Arzt will ihr helfen und lässt sie in die Klinik bringen. Allerdings ist noch nie jemand aus der Klinik entlassen worden.

Die Charaktere: Hailey war ein wenig blass, naiv und vor allem anstrengend. Sie scheint die Welt um sich herum gern zu vergessen. Im einen Moment ist alles ganz schlimm, im nächsten hat sie alles wieder verdrängt und ist total verliebt – in der Klinik, wo jeder jeden Tag ermordet werden kann. Statt sich der Situation bewusst zu sein, es elend zu finden oder irgendwas, denkt sie nur an die Liebe. Sie wirkt sehr naiv, versucht sich viel schön zu reden. Was an sich ja nicht schlecht ist – Hoffnung und so, aber sie will sich an einer Revolution beteiligen, sie sogar einleiten und dafür ist sie definitiv zu blauäugig. Sie greift nach jedem Strohhalm, jeder leichten Lösung, als wollte sie die Revolution nicht. Mich hat sie irgendwann genervt. Neben ihrer Naivität zeichnet sie sich nur noch durch ihre Freundschaft zu Macy aus.
Die Freundin ist nicht ganz so blass und verliert sich auch nicht in der Liebe. Sie sieht die Welt klarer und hat Angst, da sie auch ab und an Albträume abbekommt. Für sie ist es schlimm so zu leben und sie wünscht sich, dass es aufhört. Sie ist wesentlich besser gezeichnet als Hailey und hätte die Rolle aus Hauptperson eher verdient. Sie ist verliebt und ich hatte schon befürchtet, dass sie darüber alles andere vergisst, aber wider Erwartet kümmert sie sich um Haileys Flucht und dergleichen. Sie will die Revolution ebenfalls und will sich auch dafür einsetzen.
Caleb war mir dagegen total suspekt und ich konnte ihn überhaupt nicht einschätzen. Er ist ein recht wankelmütiger Charakter und ich wusste nicht so recht, was er will. Da war mir Wolf wesentlich lieber, der brachte wenigstens Schwung in die Runde.

Insgesamt sind mir Hailey und Caleb viel zu farblos. Es hat keinen Spaß mit den beiden gemacht. Die Liebesgeschichte hat schnell ihren Reiz verloren, ist langweilig und unnötig. Allgemein schien es mehr um die Liebe, die recht konstruiert wirkte, als um die Dystopie zu gehen. Da hätte wesentlich mehr heraus geholt werden können.
Auch hat die Autorin das Prinzip von »show don't tell« noch nicht gut umgesetzt. Sie sagt viel zu oft, wie ihre Charaktere sein sollen. Diese verhalten sich aber nicht wirklich so. Wenn das besser umgesetzt worden wäre, wären die Charaktere runder und nicht so blass gewesen.

Der Stil ist ein wenig gewöhnungsbedürftig und das Werk hätte noch eine Korrektur bedurft. Teils fehlen Wörter und Kommas, manchmal klingen die Sätze auch ein wenig schief. Das hätte man mit einem guten Beta-Leser ausmerzen können, vor allem was die ganzen Flüchtigkeitsfehler angeht. Das machte das Leser ein wenig anstrengend, sodass ich am Ende auch echt froh war, durch zu sein. Allerdings lassen sich die Fehler leicht beheben und ich hoffe, dass bei späteren Werken ein wenig mehr aufgepasst wurde. Die Schreibe wirkt auch noch ein wenig eckig und die Autorin hält den Leser immer ein wenig auf Distanz.
Dazu gibt es auch immer wieder Sprünge in die Vergangenheit. Diese sind aber recht schlecht eingebaut. Ohne Absatz oder ein anderes Merkmal geht es in die Vergangenheit. Die Passagen wurden meist nicht voneinander getrennt. Ich habe da immer wieder den Faden verloren und musste mehrmals drüber lesen.

Es wurde sehr viel Potential verschwendet. Die Welt klang im Klappentext recht gut und im Buch haben mich die ersten Seiten schon neugierig gemacht. Aber so wirklich viel kam da nicht und Dystopie lässt sich das auch schwer nennen, zumindest nicht, wenn man das Buch mit anderen aus dem Genre vergleicht. Die Stimmung passte ebenfalls nicht zur Situation. Es hätte bedrückend oder nachdenklich sein können, oder die Unterdrückung noch mehr hervor gehoben werden sollen. Stattdessen geht sogar das Opfer des Arztes unter und es wurde zu viel Energie auf die Liebesgeschichte verwandt.

Das Ende war … unfertig. Es stoppt mitten in der Aktion, als sollte auf Krampf ein zweiter Band entstehen. Das Buch hätte nicht schlechter abgeschlossen werden können, denn es ist nicht wirklich rund, sondern eher ein Cut.
Ansonsten war es okay. Es gab Action, war sogar spannend und ich wollte schon wissen, wie es weiter geht. Da kam der Cut schon ziemlich unerwartet.

Fazit:
Das Werk hätte eine gründlichere Überarbeitung vertragen könne, vor allem von dem Verlag Carlsen hätte ich mehr erwartet. Es wirkt unfertig, obwohl viel Potential drin steckt. Es wäre viel mehr herauszuholen gewesen und ich hätte gern mehr von der Dystopie lesen wollen und weniger von den Liebesgeschichten.
Leider konnte es mich nicht überzeugen und ich weiß auch noch nicht, ob ich den zweiten Band kaufe.


Von mir 2 von 5 Herzen!

eure Maria

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen