Sonntag, 13. Oktober 2013

Rezension: "Gläsern" - Rona Walter

entnommen bei luzifer-verlag.de






Titel: Gläsern
Autor: Rona Walter
Genre: Fantasy, Horror
Verlag: Luzifer Verlag Steffen Jenssen
Seiten: ~300
Preis: 2,99€ (eB), 14,95€ (tb)









Der Klappentext:
Gesucht wird: 
verhasste Tochter Haut, so weiß wie Kalk, 
Haare, schwarz wie das lausige Gefieder einer alten Krähe 
und Lippen so rot wie frischer Wundbrand. 
Ansonsten keine besonderen Merkmale, 
außer ihrer erstaunlichen Durchschnittlichkeit. 
Belohnung: 
Ausreichend. Sowie mein Wohlwollen. 
Erfolgreiche Ausführung wird schnellstmöglich erwartet.
Unterzeichnet:
Lady Amaranth (die Schönste aller Zeiten).
Akzeptiert. Lord Sandford,
mit dem nachtblauen Barte. 
Während eines langen Winters verschwindet Grafentochter Eirwyn durch den verwilderten Wald. Als daraufhin Graf Hektor vor Gram dem Siechtum verfällt, befiehlt seine Frau, Lady Amaranth, die Suche nach ihr. So soll der Graf seine Gesundheit zurückerlangen. Außerdem plant die Lady den ewigen Kampf mit ihrer schönen Tochter für immer zu beenden. Mit welchen Mitteln auch immer...
Der devote Diener Frederick macht sich für sie auf, um die Tochter zurückzubringen; bevorzugt tot als lebendig. Ihm soll zudem der Kopfgeldjäger und Brautfänger Lord Sandford mit dem nachtblauen Bart zur Seite stehen und die Rabenbotin Jezabel. Die Reise führt sie durch düster-groteske Gefilde, in denen verwunschene Wälder keinesfalls nur bezaubernd sind. Bald treffen sie jedoch auf einen alten Bekannten: den Jäger. Und der ist alles andere als ein simples Märchenklischee ...
Bald schon merkt Frederick, dass er nicht jedem bedingungslos trauen kann, dass Freundschaft allein oftmals nicht ausreicht und man lange gehütete Geheimnisse nicht einfach ruhen lassen kann. Und dann fällt auch noch eine sorgfältig zur Schau gestellte Maske …


Die Rezension:
Schneewittchen einmal anders. In letzter Zeit verfolgt uns Schneewittchen ja förmlich und so konnte auch dieses Buch nicht ungesehen an mir vorbei gehen. Vor allem nicht mit diesem Klappentext!

Es ist ein wenig so wie Schneewittchen, aber nicht alles ist gleich. Zwerge und »Spieglein, Spieglein an der Wand« sucht der Leser vergeblich. Dafür gibt es den Jäger, einen Diener, einen Lord, Magie und viele Spiegel mit rot glühenden Augen darin.

Das Mutter-Tochter-Verhältnis ist angespannt. Auch das Vater-Tochter-Verhältnis ist nicht das Beste. Irgendwann reicht es dem Mädchen und sie haut ab.
Ein Lord, der eher einem Landstreicher ähnelt, wird beauftragt sie zurück zu holen. Ihm zur Seite stellt die Königin den Valet des Hauses, Frederick, und eine Dienerin. Unterwegs sammeln sie noch zufällig den Jäger ein. Gemeinsam reisen sie nach Deutschland zu Eirwyn und versuchen diese zu überreden, wieder mit zurück ins Schloss zu kommen.

Das Setting gefiel mir ganz gut. Es beginnt in Schottland, von wo aus sie durch die Landschaft, über das Meer hin in die Deutschen Wälder reisen. Es war nichts Außergewöhnliches, aber ich fühlte mich sofort wie im Märchenwald. Es war düster und bedrückend, die Geschichte ebenso wie das Setting. Es passte gut zusammen und hat die Story gut in Szene gesetzt.

Die Bezüge zum Märchen sind da, aber es wurde viel aus-, um- und eingebaut. Mir gefiel diese Umsetzung des Märchens sehr gut. Es ist morbide, böse, teils pervers und alles andere als harmlos. Die Kombination mit dem Blaubart fand ich gelungen, so wurden gleich zwei Märchen verbunden. Vor allem das Dunkle im Märchen wurde betont. Es wird alles geschildert: Das Liegen im Glassarg, wo diverse Tiere angelockt werden, als auch der Todestanz am Ende. Ich war teils fasziniert davon, dass die Autorin wirklich so weit gegangen ist, aber auch angeekelt. Nichts für schwache Nerven also.

Die Figuren haben etwas mehr Tiefe als im Märchen. Sie besitzen mehr Hintergründe und sind dadurch auch greifbarer. Teils waren sie aber auch recht abstrakt, eben weil der Leser doch nicht alles erfährt und es so auch seltsam wirken kann. Auch unterscheiden sie sich sehr von ihren märchenhaften Vorbildern. Dieses Schneewittchen hier ist nicht die kleine naive Prinzessin, die alles mit sich machen lässt. Die anderen haben auch so ihre Eigenheiten, die nicht immer typisch sind. Überraschen konnte mich eigentlich nur die Fähigkeit von Eirwyn. Da war es ein wenig schade, dass die nicht weiter ausgebaut wurde, weder von ihr, noch von der bösen Königin. Und wer die Geschichte vom Blaubart kennt, wird auch nicht weiter überrascht sein. Dennoch eine interessante Verbindung und Neufassung der Geschichten.

Das Ende, na ja... Das musste meiner Meinung nach nicht sein. Es war zu viel des Guten und hat den guten Eindruck des Ganzen ziemlich getrübt. Für mich war es kein schöner Abschluss. Es kam mir ein bisschen wie die finale Resignation der Autorin vor, was richtig schade war.

Fazit:
Trotz dass der Gesamteindruck ein wenig durch das Ende gedrückt wurde, ist es eine interessante Idee. Für Märchen-Fans lohnt such ein zweiter Blick in jedem Fall (für alle anderen auch), nur sollte man nicht das klassische Märchen erwarten.

3,5 von 5 Sternen von mir!


eure Maria

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