Mittwoch, 16. Januar 2013

Rezension: "Zwei an einem Tag" - David Nicholls




Nicht ganz mein Fall...





Titel: Zwei an einem Tag
Autor: David Nicholls
Genre: Liebesroman
Verlag: Kein & Aber
Seiten: 541








Der Klappentext:
Alle sind sich einig: der schönste Liebesroman der letzten Jahre.
»Gerade stelle ich mir dich mit 40 vor!« Es ist der 15. Juli 1988, und Emma und Dexter, beide zwanzig, haben sich gerade bei der Abschlussfeier kennengelernt und die Nacht zusammen durchgemacht. Am nächsten Morgen gehen beide ihrer Wege. Wo werden Sie an genau diesem Tag ein Jahr später stehen? Und wo in den zwanzig darauffolgenden Jahren? Werden sich die beiden, die einander niemals vergessen können, weiterhin immer gerade knapp verpassen?


Die Rezension:
Tja, wider Erwarten nicht mein Fall. Entweder bin ich doch zu unromantisch oder dem Buch fehlt es an Feeling. Ich würde beides nicht ausschließen.

Es beginnt mit der ersten Begegnung zischen Dex und Em, die fast nur aus Dialogen besteht und einiges über die Figuren verrät. Sie waren mir beide nicht sehr sympathisch. Emma wirkt etwas zu kritisch, zu überheblich und Dex kommt ebenfalls recht arrogant rüber. Also für mich kein guter Einstieg, wenn die Charaktere mich nicht packen.

Da es die Strategie des Autors war, immer den 15. Juli zu zeigen, geht, wie ich finde, einiges verloren. Der Tag danach zum Beispiel, stattdessen kam ein Sprung. Auch später hätte ich mehr erwartet, habe mich auf mehr gefreut, auf mehr Informationen, da die Tage danach gute Einblicke in die Charaktere geben würden. Aber nein. Nichts. Stattdessen wieder ein Sprung. Zumal man ab und an auch nicht das Gefühl hatte, dass es nur ein Tag ist, sondern mehrere. Darum war ich ab und an auch verwirrt, wieso nicht weiter auf Erlebnisse eingegangen ist, wie den Urlaub oder dergleichen. Ansonsten kann die Idee auch sehr interessant sein, quasi diese Momentaufnahmen aus 20 Jahren zu zeigen. Kleine schöne Einblicke in das Leben zweier Menschen, voller Emotionen.

Nur für mich waren da kaum Emotionen, kein Feeling, kein Nix. Warum fielen dann entscheidende Ergebnisse auf dieses Datum? Na klar, der Autor wollte es erzählen, musste es quasi auch, aber warum dann nicht wenigstens Rückblenden einbauen, so wie am Schluss. Mir war es immer viel zu wenig über die Charaktere und zu viel Alkohol.

Em und Dex wirken recht verschieden, allerdings passen sie gut zusammen, meistens jedenfalls. Sie sind zu sehr von etwas überzeugt, Dexter von sich und Emma von ihren Idealen.
Emma ist recht... na ja... Sie hat auch ihre positiven Seiten, ist loyal, lieb, klug, setzt sich für ihre Freunde ein, nur wenn es um sie geht, ist sie seltsam. Sie gibt sich mit viel zu vielen schlechten Dingen zufrieden. Am Anfang hat sie einen schlechten, mies bezahlten Job und wohnt in einer »Abstellkammer« bei zu hoher Miete. Sie hat einen klasse Abschluss, nutzt ihn aber nicht. Sie schöpft ihr Potential nicht aus und gibt sich mit dem wenigstens zufrieden, über Jahre, auch wenn sie es hasst. Genauso wie sie mit ihrem Freund zusammen bleibt, obwohl sie ihn nicht liebt. Sie ist feige. Das hat sie mit Dexter auch gemeinsam. Er ist ein echter Feigling, weiß auch nicht, was er mit seinem Leben anfangen soll und flüchtet sich auf Reisen. Des weiteren gesteht er sich seine Gefühle nicht ein, hat große Pläne, die er nicht umsetzt und wird dann Moderator. Durch den Job nimmt sein Selbstbewusstsein zu sehr zu und er scheint förmlich abzuheben. Er ist ein reicher Spross, der seinen Wohlstand sehr zur Schau stellt.

Ich verstand oft auch nicht, warum sie sich mögen. Wenn sie miteinander reden, vor allem am Anfang, streiten sie. Einer macht eine blöde Bemerkung über den anderen, der ist dann beleidigt und am Ende lachen sie über etwas. Aber es scheint ums Übertrumpfen und Niedermachen zu gehen, was sie auch nicht sympathischer macht. Ich fand es allerdings toll, dass die Freundschaft trotzdem hält und dass es anscheinend das war, was die beiden zusammen hielt, auch wenn es ein wenig wie Hassliebe wirkte.

Gut umgesetzt hat der Autor die Zuneigung der beiden zueinander. Sie sind sich wichtig, wollen in Kontakt bleiben und schaffen es auch (bis auf ein Mal) ihre Freundschaft aufrecht zu erhalten und das trotz Dexters Liebe zu (vielen) Frauen und Emmas Willen ihn zu ändern. Bei Emma merkt man die Liebe zu Dexter deutlicher als andersherum. Sie flüchtet sich in eine Beziehung, damit sie mit ihm zurecht kommt, und Zuflucht und Nähe findet, die Dex ihr nicht geben kann.

Im Buch wird mir noch zu viel getrunken. In fast allen Situationen waren sie betrunken, völlig im Eimer, auf Drogen und es schien fast ein Zwang zu sein, dass sie nie nüchtern waren. Dadurch ging natürlich auch so einiges schief. Bei Emma ist es etwas besser, später wird es bei ihr besser und sie nimmt keine Drogen. Ich meine, es ist ja nicht verkehrt, das Trinken anzubringen, da es ja realistisch ist, dass sie Spaß haben etc. Mir war es aber entschieden zu viel. Vor allem Dexter gerät in eine Abhängigkeit, die ihn immer unausstehlicher macht. Durch diese Sucht werden mir die beiden immer unsympathischer und ich war froh, wenn es halbwegs normal ablief.

Durch den Alk waren die Gefühle vielleicht auch zu emotional und sprunghaft und für mich dadurch aber das Lesen auch zu emotionslos. Es ging zu stark hin und her, dass ich mich nicht einfühlen und schon gar nicht mitfühlen konnte. Vielleicht sollte der Leser dazu selber einen Schluck trinken. ;)

Allerdings, ein kleiner Pluspunkt, gefiel mir, dass die Handlung nicht vorhersehbar war. Ich hatte eine ungefähre Vorstellung, wie es ablaufen könnte (durch diverse Liebesfilme/-bücher geprägt) und mich auch ein wenig darauf versteift. Doch der Autor hat es geschafft mich zu überraschen und es ganz anders gemacht, als erwartet. Das fand ich ziemlich gut, so wurde es wenigstens nicht durch Vorhersehbarkeit langweilig. Somit war es nicht die klassisch-langweilige Umsetzung einer Liebesgeschichte, sondern durchaus innovativ mit schönen neuen Ideen und auch guten Szenen/ Tagen.

Mein Fazit:
Schade war, dass es mich nicht mitnehmen konnte. Es liest sich schnell und flüssig, ich wollte auch wissen was passiert, hätte es aber auch getrost weglegen und nicht zu Ende lesen können. Für Fans von Liebesromanen eine schöne neue Idee, für mich eher langweilig.
Eindeutig nicht mein Fall, da ich zu wenig Sympathie mit den Charakteren hatte und ich mit dem Buch nicht grün werden konnte. Es hat mich nicht berührt.
Daher nur 2 von 5 Sternen von mir.  

eure Maria

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