Sonntag, 20. Januar 2013

Rezension: "Das Bernstein Teleskop" - Philip Pullman



Das enttäuschende Ende von His Dark Materials.



Titel: Das Bernstein Teleskop
Autor: Philip Pullman
Genre: Fantasy
Seiten: 585
Verlag: Heyne
Preis: 9,95€








Der Klappentext:
Die atemberaubende Fantasy-Saga über den Kampf zwischen Gut und Böse – Der Abschluss der großen Trilogie 
Im Abschluss der Trilogie steht Lyra und Will das schrecklichste aller Abenteuer bevor: Sie müssen in die Welt der Toten steigen, um eine alte Schuld zu begleichen und eine Erkenntnis zu gewinnen, die sie nur dort finden können. Währenddessen rüsten die Allermächtigsten zum alles entscheidenden Kampf.


Die Rezension:
Als ich das Buch zuklappte, dachte ich: Endlich!
Also ganz im Ernst, Band 2 war ja schon bisschen anstrengend und nicht ganz meins, aber Band 3 war einfach nur noch entnervend und ich war froh, dass ich durch war. So richtig weiß ich aber auch nicht wieso, es weißt eigentlich alle Eigenschaften guter Bücher auf, aber so richtig gut umgesetzt fand ich es nicht.

Das Buch knüpft an den vorhergehenden Band an und der Leser ist wieder voll in der Handlung. Es geht gewohnt ausschweifend voran. Ein Punkt, der mich auch gestört hat. Es geht zwar weiter und es macht auch sicher alles Sinn, aber teilweise ist es wirklich sehr langsam. Philip Pullman beschreibt und beschreibt und beschreibt. Drei Seiten später, nach diversen sinnlosen Handlungen, die nichts zur Handlung beitragen, sondern nur zur Überbrückung dienen, waren, in meinen Augen, einfach unnötig. Ganze Handlungsstränge kamen mir sinnlos vor. Mitten im Gefecht oder bei einer spannenderen Szene, gibt es ein Zwischenkapitel und Mary klettert auf einen Baum... Da fragte ich mich schon: Wieso?! Wieso jetzt? Klar war das wichtig, die Welt hat ja auch eine Bedeutung für die Handlung. Aber kann man das nicht besser platzieren, statt eine so schon langwierige Handlung an einer spannenderen Stelle zu unterbrechen? Ich habs nicht verstanden. Auch auf den letzten Seiten musste natürlich ein Kapitel eingebaut werden, in dem nur rumgeredet wurde. Ja, es macht am Ende alles Sinn und ist auch wichtig. Aber es war schlicht und ergreifend langweilig. Das wollte ich 100 Seiten vor Schluss nicht lesen. Nichts mit Verdichtung des Plots kurz vor Schluss oder so. Es war nicht spannender als zuvor. Für mich, sollte es endlich vorbei sein.

Philip Pullman hat ja wirklich viele schöne Beschreibungen und Ideen drin. Die Engel, die Mulefa, die Gallivespier, der Staub, die Welt der Toten, die Geister, das fand ich alles ziemlich gelungen und gut durchdacht. Ich mochte auch die Beschreibungen, die immer sehr detailliert waren. Der autor hat sich Gedanken gemacht und wirklich coole Wesen geschaffen, über die ich gern mehr erfahren wollte, von einigen hätte ich mir auch ganze Bücher vorstellen können, so gut waren sie. Nur neigt der Autor auch zu einem sehr ausschweifenden Stil. Das oben bereits angesprochene Gefühl des nicht-weiter-kommens entsteht dadurch sehr oft, fast zu oft. Die Kapitel mit den Mulefa, so interessant sie auch waren, gebraucht habe ich die nicht (weil ich nicht wusste, wozu), auch immer diese Brücken wenn dieser und jener dies und das macht... Ich hatte das Gefühl, dass das Buch gut um 100 Seiten kürzer sein könnte, ohne das alles. Aber der Autor wollte eben erzählen, was er auch gut gemacht hat, nur war es m.E nach nicht spannend. Leider. Denn alles für sich fand ich ja wirklich gut, nur zusammen nicht gut aneinander gereiht. Vor allem zum Ende hin.

Die Charaktere sind wie gewohnt gut durchdacht und umgesetzt. Mrs Coulter undurchsichtig wie eh und je, dass ich bei ihr nicht mehr nachkam, auf wessen Seite sie steht, aber das macht sie ja auch aus. Lord Asriel konnte mich kurz schocken, war aber auch wieder recht kühl und zielgerichtet.
Will ist diesmal noch stärker als vorher. Ich mag seinen Charakter. Er ist sehr klar und tiefsinnig, trotz des geringen Alters. Das mochte ich sehr, dass die Kinder nicht wie Kinder wirken. Sie haben ja auch beide genug mitgemacht, da hätte mich eine kindische Art gestört. Für mich war Will die treibende Kraft im Buch.
Bei Lyra fand ich die Emotionen teils übertrieben. An einigen Stellen wirkten sie zu sprunghaft oder zu krass. Ganz anders als erwartet. Dadurch wirkte sie seltsam, hatte aber auch die ihr typischen Züge beibehalten.
Über Mary Malone, die ich vorher nicht wirklich greifen konnte und die mir willkürlich erschien, erfuhr der Leser endlich etwas mehr. Zumindest was ihren Charakter angeht. Von ihrem Leben erfährt man erst auf den letzten 100 Seiten etwas, was auch gern eher hätte kommen können.

Gestört hat mich das Auftauchen von Iorek Byrnison. Ich mag den Bären ja und fand sein Erscheinen echt gut und hab mich gefreut, nur hatte es dann den Beigeschmack, dass er nur da war, damit er den Kindern helfen kann. Danach ging er wieder, obwohl er seine Bären ja extra in den Himalaja gebracht hat, weil sie sonst nicht überlebt hätten, doch dann kehren sie doch um... Da kam mir die Begründung ihres Weggangs von der Festung doch zu lahm vor, wenn sie nach kurzer Zeit wieder dahin zurück kehren, obwohl die Bedingungen ja so schlecht sind.
Auch ging es mir im Reich der Toten zu schnell und zu leicht. Auf der einen Seite gut, mehr Zeit wollte ich da nicht verbringen, aber andererseits war es mir echt zu wenig.
Auch kam das Bernstein Teleskop selbst zu kurz, da nur Mary Malone (die Wissenschaftlerin aus Band 2, die bei den Mulefa unterkam und auf Bäume kletterte) es nutze um den Staub zu sehen. Die Beschreibungen waren echt schön, aber war es mir zu wenig, wenn das Buch schon so heißt. Bei den vorhergehenden beiden Bänden hatten die Gegenstände eine wichtige Rolle und tauchten auch häufiger auf. Hier ging es nur darum wenige Male den Staub zu sehen.

Das Ende (Spoiler!). Es triefte fast vor Liebe und Romantik und passte irgendwie überhaupt nicht zum Rest des Buches. Also ich fand das schön für die beiden, hab mich auch gefreut und selig gelächelt. Gepasst hat es dennoch nicht. Schnell kam auch der Schlag für den Leser, natürlich sollte es kein Happy End geben. Fand ich aber auch gut. Nach allem was sie erlebt hatten, nachdem das Buch so düster war, das hätte nicht gepasst. An der Stelle ein kleiner Pluspunkt.

Fazit:
Ich kann dem Buch nicht viel Gutes abgewinnen, mir was es zu lang und zu unspannend. Dazu noch diese fehlplatzierten Szenen und Unterbrechungen. Als letzten Band der »großen Trilogie« fand ich ihn schwach und zu lang erzählt. Ich hatte mit mehr Action gerechnet, mit der großen Schlacht um Gut und Böse. Doch das ging mir dann wieder alles zu schnell. Die ganze ellenlange Vorbereitung und dann recht unspektakulär der Kampf mit Metatron. Da war ich echt enttäuscht.
Das Buch ist für mich nicht mehr als ein netter Reisebericht, den ich nicht nochmal lesen muss.
2 von 5 Sternen von mir.  

eure Maria

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