Montag, 4. Juni 2012

Am Rande des Wahnsinns

Nein, nicht ich. Also, manchmal vielleicht, schwer zu sagen. Aber bei "Am Rande des Wahnsinns" handelt es sich eher um eine neue Geschichte, die ich gestern angefangen habe. Ich wollte eigentlich kein neues Projekt, da im Moment die Schreibchallenge 2012 läuft und ich mich da mit schon vorhandenen Ideen oder Texten befassen wollte. Doch mein Kopf war da anderen Meinung. Erst schob er mir "Breathing" dazwischen (eine Story, die ich noch nicht einmal ansatzweise beendet habe, bzw bei der ich auch nicht weiß, ob ich sie als Einzelstory lasse, oder sie noch irgendwo einbaue) und jetzt den Wahnsinn. Aber sie gefallen mir beide sehr gut, das Schreiben an ihnen macht Spaß, auch wenn es teilweise sehr verstörend ist. 


Von "Am Rande des Wahnsinns" möchte ich euch gern einen kleinen Auszug zeigen, da "Breathing" ungeeignet ist. 
Es geht natürlich noch weiter, wird später auch bunter. Vielleicht wird es auch der Auftakt zu dem Märchen? Wer weiß ;) 

Sie war allein, saß am Rande des Abgrunds. Hinter ihr türmten sich schwarze Wolkenberge, dicker Qualm lag in der Luft, ließ sie schwerer atmen. Das Gebirge war dunkel, verhangen und tot, kein Leben wuchs mehr auf ihm, ein paar dürre Geier kreisten über ihr. Scharfkantig war der Fels auf dem sie saß, zahlreiche Wunden hatte sie sich in Arme und Beine geritzt. Der starke Wind peitschte ihr die Haare ins Gesicht, eisig hielt er sie in seinem Griff. Doch stur blieb sie dort sitzen, wo sie saß und starrte nach vorn. Sie wartete. Wartete auf ein Zeichen, eine Regung. Seit Tagen wartete sie, harrte aus. Sie war mehrfach kurz davor gewesen zu springen. Wenn sie die Augen schloss, konnte sie sich das Wasser vorstellen, dass nur knapp unter der Kante sacht den Fels umspielte. Der tosende Sturm und das Donnern der Wellen tief unter ihr hielten sie jedoch davon ab, sich zu rühren.
Wieso kam er nicht?
Der Sturm nahm zu, riss an ihren Haaren, ihrer Kleidung. Er drehte, drückte sie nach vorn, über den Rand. Mit aller Kraft stemmte sie sich dagegen, schnitt sich tiefer in die Handflächen, als sie sich in das Gestein krallte. Doch sie gab nicht auf, harrte weiter aus und wartete. Die ersten nachtschwarzen Tropfen prasselten auf die nieder. Dreckig und stinkend prügelten sie auf sie ein. Binnen Sekunden war sie völlig durchnässt. Die Kälte spürte sie nicht mehr. Sie spürte nichts mehr. Der Wahnsinn hatte ihr alles genommen, alle Erinnerungen und Bilder aus ihr heraus gezerrt und sie leer zurück gelassen. Leer, aber wartend. Diesen letzten Gedanken hatte er ihr gelassen, dass sie warten sollte. Warten auf einen Mann, der nie kam.
Sie wusste nicht, wie lang sie schon dort saß, mit den Beinen über dem Abgrund, bereit zu springen.
Die Tage am Anfang, waren die Hölle auf Erden gewesen. Die Umgebung hatte sie mürbe gemacht, orientierungslos war sie durch das Gebirge gelaufen, um am Ende doch wieder an der Klippe zu stehen. Es hatte sie angezogen, die Finsternis hatte nach ihr gegriffen, um sie in ihre unergründliche Tiefe zu ziehen. Sie war gerannt und gefallen, so oft gefallen. Immer wieder war sie aufgestanden und weiter gerannt. Wollte ihn finden, sie wusste, dass er irgendwo auf sie wartete.
Es veränderte sich nicht. Sie konnte nicht fliehen, wusste nicht einmal mehr, was sie hierher geführt oder wie sie her gefunden hatte. Alles schien sich im Kreis zu drehen, sich zu wiederholen. Sie kämpfte dagegen an, ignorierte wo sie war, lehnte sich dagegen auf. Verzweifelte und brach zusammen. Sie rannte wieder, endete an der Klippe, alles wiederholte sich. Schließlich packte sie der Wahnsinn und sie ergab sich ihm.
Der Regen klebte an ihr. Zähflüssig floss das Wasser an ihr herab. Bestialischer Gestank brannte sich in ihre Nase, verätzte alles. Sie spuckte aus, spuckte Blut. Sie wollte sich über den Mund wischen, stoppte in der Bewegung. Im dunkelsten Rot troff es von ihrer Hand. Der Regen war nicht Schwarz, er war Rot, so Rot wie Blut.  

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