Montag, 27. Februar 2012

Rezension: "Zusammen ist man weniger allein" - Anna Gavalda

Nachdem ich vor Jahren den Film zum ersten Mal gesehen habe und er mich sofort begeistern konnte, war es endlich Zeit auch das Buch zu lesen. Durch Zufall habe ich das Buch günstig entdeckt und sofort zu lesen begonnen. Mit einer Seitenanzahl von 653  Seiten (die Brigitte-Edition) zählt es mit zur Wälzerchallenge auf die ich durch den Blog von Alexandra Künzler gestoßen bin.




Die Rezension:

In dem Buch „Zusammen ist man weniger allein“ von Anna Gavalda geht es vor allem um vier Menschen, die in ihrem Leben einzeln schon genug Tiefen hatten um damit mehrere Leben füllen zu können, doch zusammen finden sie langsam aber stetig aus ihren Ängsten und Problemen heraus. Es ist nicht die klassische Liebesgeschichte oder die Geschichte vom Elend, was das Buch ausmacht, denn beides sind nur kleine Rädchen im großen Getriebe. Es geht um die Freundschaft von vier Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten aber dennoch ihre Einsamkeit gemeinsam haben. Es beinhaltet lustige, spannende, philosophische Momente.


Die Protagonisten konnten sich in langen Reden über ihre Lieblingsthemen verlieren ohne dabei langweilig zu werden und erzählten ihre Geschichte fortlaufend. Immer kommen neue Details dazu, dennoch ist es leicht den Überblick zu behalten. Wer den Film kennt, kennt zwar grob die Personen, das Buch bietet zudem wunderbare Einblicke und im Film fehlende Hintergründe die in typisch französischer Mundart umgesetzt wurde.

Die Sprache ist teils grob oder herb, direkt und ungeschönt. Die Autorin zeigt ihre Personen ungeschminkt, ohne eine Maske aus blumig, verfeinerter Sprache. Das wirkt passend und lässt sie lebendiger bzw. echter wirken. Was mir allerdings ab und an Probleme bereitete, war die wörtliche Rede. Ich liebe Bücher in denen auch viel geredet wird, mag es aber nicht, wenn ich nicht weiß, wer spricht. Es fehlen Hinweise auf die Personen vor, hinter und während der Rede. An einigen Stellen war es schwer zu folgen und über andere rätsle ich jetzt noch. Es handelt sich vor allem um Dialoge zwischen Camille und Franck. Die beiden ähneln sich sehr in ihrer Sprechweise.

Angesprochene Camille ist eine Künstlerin, die wohl nicht will, wie sie kann und sie weigert etwas aus ihrem Talent zu machen. Sie lebt ihr Leben intensiv, dass mehr Täler als Berge aufweist. Die Aversion zu ihrer Mutter wird schon am Anfang deutlich. Man erfährt viel über sie und ihre Leidenschaft dem Malen, das Problem mit ihrer Mutter wird erst gegen Ende vollends aufgedeckt. Ihr Charakter ist vielschichtig. Sie liebt es mit Philibert zu philosophieren und sich vom Malen gefangen nehmen zu lassen. Anderen gegenüber begegnet sie mit Zurückhaltung und versucht sie unsichtbar zu machen. Kecke Sprüche und ihre Hingabe zu allem was sie tut, auch das Sorgen um Paulette machen sie für mich zur tragenden Person im Buch.

Franck, der anscheinend immer laut schreiende und genervte Koch, würde unangenehm wirken, wäre da nicht seine Liebe zu Paulette. Er hasst es zu wenig Zeit neben seinem Beruf für sie zu haben, hasst es aber auch, dieses Bisschen freie Zeit mit ihr zu Verbringen. Dennoch überwindet er sich jede Woche aufs Neue uns ist für seine Oma, meist durch pure (schlafende) Anwesenheit, da. Sie hat ihn aufgezogen, weil seine Mutter ihn nicht wollte und erlitt schon als kleiner Junge emotionale Brüche. Er liebt es zu kochen und Motorräder zu kaufen, aufzumotzen und zu fahren. An seinem Traum vom eigenen Restaurant hält er bis zum Ende fest. Der Charakter ist nicht liebenswert oder abstoßend. Er hält perfekt die Waage und ist genial konstruiert. Der Leser will ihn mögen und stört sich nicht an seiner rücksichtslosen, direkten Art.

Philibert ist... nun ja. Er ist ein stotternder Postkartenverkäufer, der schon als Kind wie ein Erwachsener behandelt wurde. Eine viel zu große, viel zu adlige Familie, die viel zu sehr an den alten Traditionen festhält. Er ist schüchtern, will niemanden verletzten oder jemandem auf die Füße treten. Mit nie dagewesener Entschlossenheit holt er Camille zu sich und kämpft um ihr Leben (gegen die Grippe) und darum, dass sie bei ihm und Franck wohnen bleibt. Ein nicht immer leichter Entschluss. Durch Camille wird er offener und traut sich mehr zu, zum Beispiel auch mal seine Meinung zu sagen. Im Verlauf des Buches gewinnt er an Selbstbewusstsein und legt das Stottern ab. Er entdeckt ein neues Hobby, die Schauspielerei, durch eine neue Freundin und spätere Braut und präsentiert sein eigenes Komisches Programm.

Paulette, die gute Seele im Buch, durch die die Verbindung zwischen den Einzelnen noch enger wird ist alt und schwach. Sie muss in ein Pflegeheim, was weder ihr noch Franck zu passen scheint, weshalb sie, nachdem Camille sie kennen gelernt hat, von einer kleinen Gruppe entschlossener Freunde entführt wird und mit ihnen in Philiberts Wohnung lebt. Ihre Tage verbringt sie mit Camille uns sprüht nur so vor Leben. Doch allen ist klar, dass es ihr nicht besser geht. Bald sitzt sie im Rollstuhl, bewegt sich kaum noch und ist tief in Gedanken versunken. Diese Trübsal bringt sie ihrem sehnlichsten Wunsch näher endlich wieder in ihren Garten zu können, wo sie glücklich ihren letzten Tag verbringt.

Das Buch beweist auf eindrucksvolle Art und Weise, dass man zusammen wirklich weniger allein ist, wenn man beginnt, sich anderen zu öffnen und jemanden findet, mit dem man etwas teilen kann. Es ist nicht spannend wie ein Thriller oder ein Krimi, dennoch will man fortlaufend wissen, wie sich die Personen entwickeln, was i ihnen steckt und was sie aus ihrem Talent machen, denn jeder hat ein verborgenes Talent, wie das Buch eindrücklich beweist. Anna Gavalda bleibt bis zum Ende ihrem Stil treu und schafft es, den Leser bis zur letzten Seite an sich zu binden.

Das ist ein Wälzer, den ich gern jedem empfehle, der etwas Anderes, Unübliches sucht. Ein Buch, was Respekt verdient, nicht zuletzt die Personen die ihm Leben einhauchen. Das Buch ist klug, komisch, fesselnd und viel zu schnell vorbei. Auch nach mehreren Tagen hat es mich nicht losgelassen.
Deshalb von mir fünf von fünf Sternen!




Wer auch mal eine Rezension schreiben will, sollte sich den Blog einer Freundin ansehen. Tipps und Tricks gibt es immer mal wieder Rezensionen und Empfehlungen =)

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